Der verrückteste Autohändler Amerikas: Hackebeile, Perücken und Schaumstoffbrüste

Der verrückteste Autohändler Amerikas
Hackebeile, Perücken und Schaumstoffbrüste

In Amerika sind Autos aus US-Produktion Ladenhüter. Doch beim Händler Towbin Dodge in Las Vegas brummt das Geschäft – denn der hat die verrücktesten Verkäufer. Ein Ortsbesuch.

LAS VEGAS. Als Frank Agresti vor sieben Jahren als Verkäufer bei Towbin Dodge anfing, war er völlig blau. Genauer gesagt blau angemalt wie eine Figur aus der Show der „Blue Man Group“. Das war sein erstes Kostüm bei der wöchentlichen Werbeshow, mit der sein Chef im Kabelfernsehen Autos zum Verkauf vorführt.

Nun sitzt der 37-Jährige als General Manager in seinem kleinen Glasbüro neben dem Verkaufsraum. Er leitet den mit Abstand größten Dodge-Händler in Nevada und einen der größten der USA dazu. Sein Topverkäufer tritt als Flaschengeist auf, und auch „Big Sally aus dem Green Valley“, die mit Monster-Schaumstoffbrüsten um Autokäufer buhlt, macht gute Geschäfte. Willkommen im verrücktesten Autohaus der Welt.

Wer am Las Vegas Boulevard hinter dem riesigen goldenen Löwen des MGM Grand links abbiegt und der East Tropicana Avenue folgt, stößt auf den Las Vegas Expressway. Und von da sind es noch knapp 15 Minuten Fahrt bis zum Auto Mall Drive 275 in Henderson. Hier hocken 15 Autohändler auf engstem Raum nebeneinander, Konkurrenz pur. Einer von ihnen ist Towbin Dodge. Wer hier Autos – und dann auch noch US-Modelle – verkaufen will, muss schon mehr bieten als fette Rabatte und lederne Schlüsseletuis.

Es mag sogar sein, dass Verkaufsspektakel à la Towbin Dodge die Zukunft von Amerikas Autohandel symbolisieren. Denn der steckt tief in der Krise. Die Marktanteile von Dodge, Ford, Chrysler & Co. sinken kontinuierlich. Mitte 2007 fiel der kumulierte Marktanteil der US-Hersteller auf dem Heimatmarkt erstmals unter 50 Prozent. Und Toyota überholte den US-Riesen Ford in der Absatzstatistik – nur noch Primus General Motors verkauft mehr Autos. Doch GM reduzierte sein US-Händlernetz vergangenes Jahr um 229 auf 6 807, bei Ford mussten 139 „Dealer“ schließen. Dodge-Mutter Chrysler hat 142 von 3 607 Niederlassungen dichtgemacht. Das Siechtum der US-Marken wird eines der großen Themen auf der „Detroit Motor Show“ sein, die am Wochenende beginnt.

Ein kalter Samstagmorgen im Januar. Der Hof von Towbin Dodge steht voll mit Geländewagen und Pickups mit riesigen 26-Zoll-Alufelgen und Limousinen, die so tief gelegt sind, dass keine Postkarte mehr zwischen Fahrzeugboden und Straße passt. „Chopper Edition“ steht auf dem Perlmutt-Glanzlack. „Unsere Kunden kaufen nicht EIN Auto“, sagt Frank Agresti, „sie kaufen IHR Auto. Und wir machen es zum Erlebnis.“

Einmal pro Woche dreht Towbin Dodge durch. Dann ist Showtime. Dann zelebriert Boss Josh Towbin persönlich die Aufnahmen für den neuesten Werbespot. Dunkle Sonnenbrille, dicke Silberkette mit einem fetten, kristallbesetzten „Chop“-Anhänger um den Hals. Schwarzer Maßanzug, Schlips. Die „Men in Black“ lassen grüßen. Alle nennen ihn hier nur „Chop“ – „Hackebeil“. Denn Towbin „hackt die Preise klein“.

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