„Der Wurm muss dem Fisch schmecken“
Eckhard Cordes fremdelt bei Metro

Früher verkaufte Eckhard Cordes Autos von Mercedes, heute Tütensuppen für die Metro. Auch nach sieben Monaten fremdelt er in seiner neuen Branche noch erheblich.

DUISBURG/TÖNISVORST. Gut, dass Metro-Chef Eckhard Cordes nicht unbedingt darauf angewiesen ist, die neuen Dienste seines Unternehmens zu nutzen. Sonst fiele das Abendessen bei ihm zu Hause wohl recht kärglich aus. Ein Schälchen Ananas in Stücken käme auf den Tisch. Mehr nicht.

Die Ananas hat Cordes gestern bei der Eröffnung eines komplett umgebauten Supermarkts, der zum Handelsriesen Metro gehört und den Cordes als das Warenhaus der Zukunft preist, recht souverän gekauft. 500 Gramm Vollkornbrot sollten noch dazukommen. Doch da ist Eckhard Cordes mit der Einkaufstechnik der Zukunft bereits überfordert.

Hektisch fummelt er an seinem Handy, dem mobilen Einkaufsassistenten, der zum Einsatz kommt, um den Inhalt des Einkaufskorbs zu scannen und das Bezahlen zu beschleunigen. Aber: Es klappt nicht. Verflixter Vorführeffekt? Der Pressechef befreit Cordes aus der misslichen Lage. Der Metro-Vorstandschef kann seine Einkäufe fortsetzen. Doch dazu hat er nun wohl keine Lust mehr.

Seit gut einem halben Jahr steht Eckhard Cordes an der Spitze von Deutschlands größtem Handelskonzern. Er hat sich nach diesem Job geradezu gedrängt. Als Aufsichtsratschef der Metro und Vertreter des Großaktionärs Haniel machte er 2007 sämtliche Schwachstellen der Strategie des damaligen Metro-Chefs Hans-Joachim Körber aus, stellte immer wieder bohrende Fragen und Forderungen, tadelte und machte Verbesserungsvorschläge – bis er Körber schließlich von seinem Posten völlig verdrängte.

Von da ab war der Weg frei für Cordes. Man werde die Konzernstruktur nun „ohne Tabus“ auf den Prüfstand stellen, sagte er dem Handelsblatt im vergangenen Jahr. Inzwischen sieht es aus, als hätte sich der wagemutige Mittelstürmer zum übervorsichtigen Verteidiger gewandelt. Und vielen dünkt, der Ex-Mercedes-Chef sei bis heute nicht in der für ihn völlig neuen Branche angekommen – als sei der Handel gar noch immer eine viel zu komplizierte Welt für den 58-jährigen Cordes.

Daher geht er nun lieber auf Nummer sicher und setzt Körbers Strategie der kleinen Schritte fort, statt kräftig aufzuräumen. Zum Trippeln gehört auch der neue Real-Supermarkt in Tönisvorst, einer Kleinstadt westlich von Düsseldorf – „Real Future Store“ heißt er mutig.

Die Zukunft des Shoppens, das bedeutet dort nicht nur, dass der Einkäufer jedes Produkt in seinem Einkaufskorb mit dem Handy selbst einscannen und auch mobil bezahlen kann. Das heißt auch: An der Fischtheke riecht es nicht nach Fisch und an der Fleischtheke nicht nach Fleisch, sondern nach Kräutern der Provence und Limone. In jeder Abteilung erklingt eine andere Musik, Hip-Hop über den Trimm-dich-Rädern und den Regalen mit Fuß-, Tennis- und Golfbällen, Meeresrauschen über dem Fischmarkt.

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