Desaster bei Transportflugzeug
Airbus prüft Konsequenzen aus dem A400M-Debakel

Bei Airbus musste bislang niemand die Verantwortung für die peinlichen Verspätungen bei der Auslieferung des Militärtransporters A400M übernehmen. Das soll sich nun ändern – die Kritik am Rüstungskonzern reißt nicht ab.
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Der Flugzeughersteller Airbus will nach Konzernkreisen „organisatorische Konsequenzen“ aus dem Desaster um die verspätete Auslieferung des Transportflugzeugs A400M ziehen. Geprüft wird nach Informationen des Handelsblattes vor allem die Verantwortung der Konzernsparte Airbus Military, die das Transportflugzeug entwickelt und baut. An der Spitze der Einheit steht seit 2009 der Spanier Domingo Ureña-Raso. Zudem prüft das Management um Konzernchef Tom Enders bis zur Bilanzvorlage Ende Februar die Höhe der möglichen Sonderbelastungen, die sich aus der erneuten Auslieferungsverschiebung ergeben.

Koalitionspolitiker reagieren verärgert auf die neuen Probleme beim A400M und fordern Konsequenzen. „Ein solches Debakel kann nicht ohne personelle Konsequenzen für das Projektmanagement bleiben“, sagt CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Die erneuten Verzögerungen seien inakzeptabel, schließlich würden die Maschinen dringend für den Lufttransport gebraucht. „Ich halte es für angebracht, dass Tom Enders vor dem Verteidigungsausschuss Rede und Antwort steht“, sagte Hahn.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, fühlt sich getäuscht: „Mir kann niemand erzählen, dass die Schwierigkeiten Airbus nicht schon länger bekannt waren, offenkundig wurden sie vor uns verschwiegen“, sagte er. „Durch ein solches Verhalten beschädigt der Konzern das Vertrauen, was angesichts der anstehenden Projekte sehr problematisch ist.“ Auch der Grünen-Haushälter Tobias Lindner bezeichnete es als „bemerkenswert, dass wir trotz regelmäßiger Kontakte aus den Medien darüber erfahren. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen der Politik in die Industrie.“

Deutschland ist mit 53 Maschinen der größte A400M Kunde. Airbus hatte kürzlich einräumen müssen, dass es 2015 nicht wie geplant fünf der Transportmaschinen an die Luftwaffe ausliefern kann. Wie viele es sein werden, ist noch unklar. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte Airbus dafür scharf kritisiert.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

Kommentare zu " Desaster bei Transportflugzeug: Airbus prüft Konsequenzen aus dem A400M-Debakel"

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  • Es gibt nur eine Lösung: Die Verantwortlichen fristlos feuern und auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher Firmenschädigung auf Ersatz verklagen!!!

  • Es war dumm die Rüstungssparten zusammenzulegen....
    vorallem da die F eh lieber an ihren eigenen systemen Basteln..

  • Airbus ist ein lahmer Laden. [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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