Deutsche an der Nasdaq
Die letzten Mohikaner

Peer Schatz ist Geschäftsführer der Biotech-Firma Qiagen. Im vergangenen Monat feierte er seine zehnjährige Erfolgsgeschichte an der US-Technologiebörse Nasdaq. Doch Qiagen ist ein Einzelfall. Die meisten deutschen Unternehmen kostet die Notierung mehr als sie nutzt. Die Liste der Fehlschläge ist lang und beinhaltet auch einige bekannte Namen.

NEW YORK. Die zierliche junge Frau mit dem großen Headset über den schwarzen Haaren und dem Clipboard in der Hand duldet keine Widerrede. Freundlich aber bestimmt zeigt sie auf eine der Kameras in dem kleinen Studio am New Yorker Times Square, auf den markierten Boden, auf Rednerpult und Scheinwerfer.

Der hochgewachsene Mann im Nadelstreifen neben ihr hört still und aufmerksam zu. Zum Schluss stellt er sich gehorsam auf einen kleinen Teppich mit gelb aufgemalten Schuhsohlen. Er richtet die makellosen Lackschuhe peinlich genau auf den Fußumrissen aus. Dann schaut er geradeaus in den Teleprompter der Kamera 2. Dort steht in drei Zeilen „Market Open, Mr. Peer Schatz, Qiagen N.V.“.

Es gilt ein Jubiläum zu feiern. Bei einem Gläschen Sekt, ein paar Bagels und Kaffee wird Qiagen-Chef Peer Schatz mit leitenden Mitarbeitern und Geschäftspartnern an diesem Morgen des 29. Juni die Eröffnungszeremonie für den Handel an der Computerbörse Nasdaq bestreiten. Der Qiagen-Kurs vom Vortag steht auf der Videowand hinter ihm: QGEN 12,83 Dollar. Qiagen ist die größte und eigentlich einzige echte deutsche Erfolgsgeschichte am amerikanischen High-Tech-Markt Nasdaq, der Heimat von Intel, Yahoo, Google und Co. Vor zehn Jahren ging das Biotech-Unternehmen aus dem beschaulichen Hilden bei Düsseldorf als erstes deutsches Unternehmen an die Börse an der 43sten Straße in Midtown Manhattan. Über sieben Stockwerke erstreckt sich auf der gewölbten Fassade eine gigantische Videofläche, auf der Börsenkurse und Werbung flimmern. Auch andere deutsche Firmen zog es hier her. Aber nur Qiagen, Aixtron und die vom kalifornischen Freemont nach Ismaning bei München umgezogene SCM Microsystems blieben übrig. Anderen, wie dem Heidelberger Lion Bioscience, brachte der Gang nach Amerika zwar viel Geld, aber kein Glück.

Lion-Chef Friedrich von Bohlen und Halbach wurde 1999 vom „Manager Magazin“ noch zum „Unternehmer des Jahres“ gekürt, im Jahr 2000 ging es an den Neuen Markt und die Nasdaq. Am 22. Dezember 2004 endete der Handel mit Lion-Papieren in New York. Der geringe Aktienumsatz rechtfertige keine Notierung mehr, erklärte das Management. Allerdings hatte Lion nur so genannte ADS, American Depository Shares, ausgegeben. Das sind nur Nachweisscheine für hinterlegte Aktien. Der Schmalspurbörsengang mit ADS sei ein Fehler, sagt Qiagen-Mann Schatz nach zehn Jahren Erfahrung. „Amerikaner wollen echte Aktien sehen.“

Kurz nach 9 Uhr. Die Kameras sind noch aus, aber David Warren, CFO der Nasdaq ist gekommen um zu gratulieren. Der Börsenwert des deutschen Unternehmens liegt heute bei zwei Milliarden Dollar. Vom durchschnittlichen Tagesvolumen von einer Million Qiagen-Aktien werden 40 Prozent in den USA und der Rest in Deutschland gehandelt.

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