Deutsche Bahn
Absurde Züge

Noch ist die Deutsche Bahn ein Bundesunternehmen. Angesichts der leeren staatlichen Kassen braucht Bahn-Chef Hartmut Mehdorn aber private Investoren, die sich am unternehmerischen Wagnis beteiligen – über die Teilprivatisierung des Staatskonzerns.

DÜSSELDORF. Ungewöhnlich ist die Ausgangssituation eigentlich nicht: Eine bisher nicht börsennotierte Aktiengesellschaft braucht für ihre weitere Entwicklung mehr Kapital, als die Eigentümer ihr geben können. Sie beschließen deshalb eine Kapitalerhöhung, und die soll über einen Börsengang finanziert werden.

Im Prinzip ist das die Situation der Deutschen Bahn. Noch ist sie vollständig ein Bundesunternehmen, doch angesichts der leeren staatlichen Kassen braucht sie private Investoren, die sich am unternehmerischen Wagnis beteiligen – über die Teilprivatisierung des Staatskonzerns.

Doch der Weg dorthin nimmt allmählich absurde Züge an. Das beginnt bereits beim Stichwort „Börsengang“. In der Politik, aber auch in der öffentlichen Meinung ist inzwischen der Eindruck entstanden, die Bahn solle à la Post oder Telekom als Volksaktie an die Börse gebracht werden. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn wäre gut beraten, diesem völlig unrealistischen Eindruck entgegenzutreten. Er weiß genau, dass eine Bahn-Aktie kaum schnelles Geld für Privatanleger versprechen kann – sie wäre allenfalls ein Papier für institutionelle Investoren, die in mittelfristiger Perspektive auf Erträge ihres Engagements warten.

Absurd ist auch, dass zwar in der Politik über die verschiedenen Wege an die Börse diskutiert wird, aber niemand sagt, in welchem Umfang Privatisierungserlöse tatsächlich bei der Bahn landen und nicht im Bundesetat versickern.

Wenn dann im Haushaltsausschuss des Bundestages Überlegungen angestellt werden, auf den Börsengang der Bahn zu verzichten und statt dessen lukrative Konzernteile zu verscherbeln, wird es noch absurder. Was geschieht mit übrig bleibenden Konzernteilen? Sollen die reverstaatlicht werden?

Im letzten Akt der 1993 mit großer politischer Mehrheit beschlossenen Bahn-Reform wird zunehmend ignoriert, dass der Konzern in den letzten zwölf Jahren einen überzeugenden, harten Sanierungskurs gefahren hat. In punkto Verkehrsleistung wie Ergebnis steht er so gut wie nie zuvor da.

Doch trotzdem gerät eine Anhörung vor dem Verkehrsausschuss zum Tribunal der Nein-Sager, und der Bahn-Chef ist sich nicht zu schaden, über gezielte Indiskretionen zurückzuschießen. Statt sich um die strategische Weiterentwicklung zu kümmern, verstrickt sich das Bahn-Management in politischen Abwehrschlachten. Auch das ist absurd: Potenzielle Investoren interessieren nicht Ränkespiele, sondern Rendite-Aussichten.

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