Deutsche Bahn
Auf der Spur der Kupferklauer

Die Deutsche Bahn wird immer häufiger Opfer von Kabeldieben. Und das hat gravierende Folgen: Der Schaden der Bahn geht in die Millionen, der Zugverkehr kommt immer häufiger zum Erliegen. Und selbst Todesfälle sind nicht auszuschließen. Eine Handelsblatt-Reportage.

ESSEN. Mühsam ist die Jagd. Feucht ist die Nacht. Warm ist die Sitzbank im weinroten Kastenwagen. Die Heizung bullert, die Scheiben beschlagen sich, es ist Ende August, doch der Regen prasselt unaufhörlich in grauen Streifen vom Himmel. Michaela Wilhelm schaut aus dem Fenster, dann zuckt sie mit den Schultern. „Das ist wie ein Sechser im Lotto“, stöhnt die Bundespolizistin. Das Nachtsichtgerät taucht die Landschaft hinter dem Bochumer Bahnhof in kaltes gespenstisches Grün.

Doch außer den wie Blitze leuchtenden Signallampen ist nichts zu sehen. Nur ab und an rauscht ein Zug vorüber. Ansonsten keine Bewegung rund um die Großbaustelle der Bahn. „Das gehört auch zu unserem Job“, sagt Georg Seiler. „Einmal haben wir acht Stunden lang im Dunkeln zwischen den Gleisen gesessen. Acht Stunden!“

Für Seiler, 48, muss das besonders schwer sein. Er ist ein Rastloser, Stunden zuvor, in Witten-Herbede, ist der Bartträger mit der Baseballkappe dicht am stehenden Zug mit der Ladung Schrott vorbei, schnellen Schrittes, immer in Lauerstellung, die 16- schüssige P6 von Sieg und Sauer im Gürtel. Doch auch in Witten Fehlanzeige. Der Einzige, der sich verdächtig benimmt, ist ein Mann vom privaten Sicherheitsdienst. Kollegin Wilhelm ist ruhiger, aber die 40-Jährige mit den auffallend blaugrauen Augen weiß, was sie an Seiler hat. „Der Georg“, sagt sie, „ist ein alter Hase.“

Was die beiden Duz-Freunde von der Bundespolizei Essen an diesem Abend vereint, sind aber nicht wärmende Worte, sondern ist der aufreibende Kampf gegen eine spezielle Sorte Täter: den Kupferdieb. Seiler ist seit 1986 bei der Truppe, aber dieser Phänotyp ist auch ihm neu. „Die nehmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist.“

Die Globalisierung hat ein neues Delikt geboren. In Fernost wird Metall benötigt, die Preise steigen täglich. Deshalb wird in ganz Deutschland alles geklaut, was irgendwie nach Metall aussieht. Ob in Essen, Düsseldorf, Berlin, Hagen, Magdeburg oder Finsterwalde – die Polizei registriert in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme von Metalldiebstählen. 2006 verzeichnete die Bundespolizei rund 2 800 Fälle.

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