Deutsche Bahn
Aufsichtsrat bremst Grubes Börsen-Euphorie

Der Deutsche-Bahn-Aufsichtsrat hat den Vorstand damit beauftragt, ein Konzept zum Börsengang von Arriva und Schenker zu erstellen. Es sollen aber auch Alternativen geprüft werden. Grube muss Überzeugungsarbeit leisten.

BerlinSo glatt wie Bahnchef Rüdiger Grube sich das erhofft hatte, werden seine Pläne zur Kapitalbeschaffung wohl nicht durchgehen. Der Aufsichtsrat des Staatsunternehmens beauftragte Grube auf einer Sondersitzung wohl, ein Konzept zum Börsengang der Töchter Arriva und Schenker zu erstellen. Zugleich schrieben die Aufseher dem Konzernvorstand aber auch ins Pflichtenheft, mögliche Altnativen zu prüfen. Die Bahn-Kontrolleure sehen den von Grube favorisierten Plan teilweise sehr skeptisch, heißt es in Kreisen des Gremiums.

Werden tatsächlich wie erhofft 4,5 Milliarden Euro eingespielt? Was ist, wenn die Börsen zum Zeitpunkt des Going Public ab dem Frühjahr 2017 schwächeln? Was kosten die Börsengänge? Kann die steigende Verschuldung des Bahnkonzerns am Ende tatsächlich bei 19 Milliarden Euro abgebremst werden?

Grube betreibt zwar mit Rückendeckung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) seinen Plan zur Rekapitalisierung der Bahn. Doch schon vor einigen Tagen sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt, es müssten auch Alternativen geprüft werden. Die reichen von einer Kapitalbeteiligung durch Finanzinvestoren bis zur Kapitalerhöhung durch den Bund. Diese Varianten hat Grube verworfen – bislang. Nun muss er auf Drängen seiner Aufseher das Projekt nachbessern.

Wie brisant die Lage ist, zeigt auch eine der seltenen öffentlichen Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht. „Wenn wir nicht gegensteuern, wird die Verschuldung des Konzerns bis zum Jahr 2020 deutlich steigen. Die Kapitalbeteiligung Dritter begrenzt die Verschuldung und schafft finanziellen Spielraum, um die Qualitäts- und Investitionsoffensive in Deutschland fortzuführen", lies Felcht sich nach der Sondersitzung der Kontrolleure zitieren. Doch so eindeutig Richtung Kapitalbeteiligung Dritter geht die Reise wohl doch nicht. Das jedenfalls folgt aus dem nun erweiterten Prüfauftrag. Eine endgültige Entscheidung soll zur Kapitalbeschaffung im Herbst dieses Jahres fallen.

Von 2016 bis 2020 will die Bahn insgesamt 55 Milliarden Euro investieren, davon 90 Prozent in Deutschland. Rund 20 Milliarden will die Bahn aus eigener Kraft finanzieren. Die aktuelle Ertragsschwäche und das verlustreiche Gütergeschäft auf der Schiene führen jedoch zu einem Anstieg der Verschuldung von jetzt 17,5 Milliarden auf 22,2 Milliarden Euro, wenn die Bahn nicht gegensteuert. In politischen Kreisen wie auch in der Gewerkschaft, die alle im Bahnaufsichtsrat vertreten sind, wird jedoch die Frage gestellt, warum die Verschuldung der Staatsunternehmens nicht steigen sollte. Die Beteiligung externer Investoren an Bahn-Töchtern wird deshalb kritisch gesehen. Rüdiger Grube wird noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%