Deutsche Bahn
Bahn-Affäre: Zwei Vorstände müssen gehen

Die Bahn-Vorstände Norbert Bensel und Otto Wiesheu sollen das Gremium wegen der Datenaffäre verlassen. Das berichten die Nachrichentenagentur AP und die „Welt“. Es wurde erwartet, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn heute Vormittag die Auflösung der Verträge der beiden Manager beschließen würde.

rüd/HB BERLIN. Bensel war während der Datenaffäre Personalvorstand und ist jetzt für Logistik zuständig, Wiesheu ist seit 2005 verantwortlich für Marketing und politische Beziehungen.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG beschäftigt sich heute ab 10 Uhr mit der Datenaffäre bei dem Konzern. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und die Rechtsanwälte und Ex-Minister Herta Däubler-Gmelin und Gerhart Baum wollen dann Berichte zur Aufklärung der Affäre vorlegen. Danach wollen der neue Bahnchef Rüdiger Grube und der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller vor die Presse treten.

Grube hat mehrfach erklärt, er wolle schnell und bedingungslos strukturelle und nötigenfalls auch personelle Entscheidungen treffen. Ebenfalls heute will der Manager dem Verkehrsausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen.

Die Bahn hatte in den vergangenen zehn Jahren mehrfach heimlich die Daten fast aller Mitarbeiter mit denen von Kunden und Lieferanten abgeglichen, um möglichen Korruptionsdelikten auf die Spur zu kommen. Die Affäre führte Ende März zum Rücktritt des ehemaligen Bahnchefs Hartmut Mehdorn. Die Führung der Bahn hatte die Konzernrevision für viele dieser Untersuchungen verantwortlich gemacht, ihr Leiter Josef Bähr wurde beurlaubt.

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, sagte, der Sonderermittler-Bericht werde zeigen, ob andere Vorstandsmitglieder juristisch Verantwortung für den Datenabgleich trügen. „Ich gehe aber ganz bestimmt davon aus, dass es unterhalb des Vorstandes zu personellen Veränderungen kommen wird.“ So könnten Revisionschef Bähr und Sicherheitschef Jens Puls „aus unserer Sicht diesen Job nicht mehr machen. Die sind so tief im System verstrickt, dass man da einen Neuanfang machen muss.“ Mehdorn betonte mehrfach, der Vorstand habe zu keinem Zeitpunkt Datenabgleiche, Untersuchungen von E-Mails, Aufträge an Detekteien oder Verstöße gegen geltendes Recht veranlasst und auch nicht davon gewusst.

Im Zusammenhang mit der Affäre wurden mehrfach die bisherige Personalchefin Margret Suckale und ihr Vorgänger Norbert Bensel genannt, die von den Aktionen gewusst haben sollen. Suckale ist inzwischen zum Chemiekonzern BASF gewechselt. Der heutige Logistik-Vorstand Bensel bestreitet, von den Vorgängen gewusst zu haben. Der 61-jährige Bensel ist seit 2002 bei der Bahn. Der 64-jährige Wiesheu war vor seiner Zeit als Bahn-Vorstand bayerischer Minister für Wirtschaft und Verkehr.

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