Deutsche Bahn Bahn geht auf GDL zu

In der Tarifrunde von Bahn und Lokführergewerkschaft GDL geht es vor allem um die Arbeitszeit. Die GDL will eine spürbare Entlastung für das Zugpersonal. Die Bahn macht einen ungewöhnlichen Vorschlag.
Update: 11.11.2016 - 19:21 Uhr
Ein weiteres Mal trafen Vertreter von Deutscher Bahn und GDL zu Gesprächen aufeinander. Quelle: dpa
Tarifverhandlungen

Ein weiteres Mal trafen Vertreter von Deutscher Bahn und GDL zu Gesprächen aufeinander.

(Foto: dpa)

BonnIm Konflikt um die Arbeitszeiten des Zugpersonals bei der Deutschen Bahn hat der Konzern der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ein neues Angebot gemacht. Die Bahn will demnach Vorschläge der GDL in der Praxis mit eigenen Modellen vergleichen. „Statt zu streiten, welcher Vorschlag praxistauglich ist, müssen wir gemeinsam erproben, was Mitarbeitern am besten hilft“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nach der dritten Runde der Tarifverhandlungen am Freitag in Bonn. Die GDL wollte sich später äußern. Die Gespräche werden am 17. November in Berlin fortgesetzt.

Die Lokführergewerkschaft ist mit einer Forderungen nach 4,0 Prozent mehr Geld und verbesserten Arbeitsbedingungen etwa bei Schichtrhythmen und planbarer Arbeitszeit in die Verhandlungen gegangen. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky hat dabei den Vorrang der Arbeitszeitregelungen betont.

Die große Mehrheit des Zugpersonals hat nach Angaben der Bahn in diesem Jahr keine neuen Überstunden gemacht. In einzelnen Bereichen gebe aber eine höhere Belastung, habe eine Überprüfung ergeben. Zum Zugpersonal zählen rund 33.000 Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Lokrangierführer und Disponenten.

Wo Fahrer verzweifelt gesucht werden
Fahrtraining im Simulator
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Sie bringen Menschen und Waren jeden Tag von A nach B: Bus-, U- und Straßenbahnfahrer, Lokführer, Kraftfahrer und Piloten. Vor allem im öffentlichen Nahverkehr steige der Bedarf an Fahrpersonal, erklärt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen(VDV) in Berlin. Das Angebot von Bahnen und Bussen werde immer weiter ausgebaut. Viele der Fahrer stehen nach VDV-Angaben jedoch kurz vor dem Ruhestand – für die Stellen mangelt es an Nachrückern.

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Lokführer
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In das Führerhäuschen einer Eisenbahn zieht es offenbar nur wenige Menschen. „Es gibt deutlich zu wenig Bewerber“, sagt ein Sprecher der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Bundesweit fehlten 800 bis 1000 Lokführer. Der Markt sei leer gefegt. Schicht-und Wechseldienst machen den Beruf wenig attraktiv. Zudem seien von den Arbeitgebern in den vergangenen Jahren zu wenige Lokführer ausgebildet worden, kritisiert die GDL.

Bewerber sind Mangelware
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Die Deutsche Bahn kündigte an, in diesem Jahr 1200 Lokführer einzustellen. Über alle Ausbildungsjahre hinweg gebe es derzeit rund 1000 Lokführer-Azubis, sagt eine DB-Sprecherin. Das Unternehmen hoffe, dass alle Stellen besetzt werden können. Ob das klappt, zeige sich aber erst gegen Jahresende. Generell gebe es viele Bewerbungen und Interesse an den Jobs. Gerade in Ballungsräumen wie Stuttgart und München fehlen nach Angaben der Sprecherin jedoch Bewerber.

Straßen- und U-Bahn-Fahrer
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Besser sieht es in den Fahrerkabinen von Straßen- und U-Bahnen aus. „Wir haben genügend Bewerber“, sagt eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Das Durchschnittsalter der rund 6000 BVG-Fahrer liege jedoch knapp unter 50 Jahren. „Wir sind immer auf der Suche nach jungen Leuten.“

Schwieriges München
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Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bekommt ebenfalls pro Jahr mehr als 2000 Bewerbungen. „Wir bilden auch laufend selber aus“, sagt ein MVG-Sprecher. Der Bedarf an Fahrern steige jedoch weiter – da für viele der Ruhestand näher rückt. Erschwerend hinzu käme bei der Suche nach Azubis aber die angespannte Wohnungssituation in der bayerischen Landeshauptstadt, so der MVG-Sprecher. Einige Bewerber schrecke das ab.

Busfahrer
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Viele Plätze hinter Lenkrädern könnten bald leer bleiben. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) verzeichnet Bewerbermangel. „Es fehlen akut 2000 Busfahrer“, sagt ein Sprecher des Verbands, der nach eigenen Angaben 3000 private und mittelständische Unternehmen aus dem Bereich Personennahverkehr, Bustouristik und Fernlinienbus vertritt.

10.000 Fahrer fehlen
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In den nächsten Jahren gebe es sogar 10.000 Busfahrer zu wenig - Grund sei der Fachkräftemangel, erklärt der BDO-Sprecher. „Die Situation war absehbar, da viele ältere Busfahrer in den Ruhestand gehen.“ Mit der Kampagne „Beweg was - Werd Busfahrer“ versucht der Verband derzeit, mehr jungen Bewerbern eine Ausbildung als Berufskraftfahrer schmackhaft zu machen.

„Einig sind wir, dass wir für besonders belastete Mitarbeiter handeln wollen“, sagte Weber. Über den Weg bestehe bisher keine Einigkeit. Die Bahn wolle mehr betriebliche Initiativen an den jeweiligen Arbeitsplätzen gemeinsam mit der GDL und den Betriebsräten.

Die GDL wolle dagegen ein komplett neues Arbeitszeitsystem im Tarifvertrag für das gesamte Zugpersonal verankern. Die GDL-Vorschläge würden allerdings zu einer Vier-Tage-Woche bei 30 Wochenstunden und vollem Lohnausgleich führen.

Die Bahn führt parallel auch Tarifgespräche mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die mit der GDL konkurriert. Die EVG verhandelt für rund 100.000 Beschäftigte des Konzerns und hatte zuletzt mit Warnstreiks gedroht. Bahn und EVG treffen sich am 23. November in Berlin wieder.

  • dpa
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