Deutsche Bahn
Bahn vergibt Großauftrag an Kartellsünder

Die Deutsche Bahn hat zwei Mitgliedern des Schienenkartells offenbar vergeben. Sie vergab einen Großauftrag an Moravia und Voestalpine, die seit den 90er Jahren von der Bahn überhöhte Preise verlangt hatten.
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DüsseldorfDie Deutsche Bahn hat einen Großauftrag an zwei Kartellsünder vergeben. Ihren Schienenbedarf für das kommende Jahr werde das Unternehmen durch Lieferung von Tata Steel, Moravia Steel und Voestalpine abdecken, berichtete das Handelsblatt (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Branchenkreisen. Mit Moravia und Voestalpine gehören zwei der Stahlproduzenten zum sogenannten Schienenkartell.

Diese hatten seit mindestens Mitte der 90er-Jahre Preise und Mengen auf dem deutschen Schienenmarkt abgesprochen; das Kartell wurde erst durch Ermittlungen des Bundeskartellamts im Mai dieses Jahres zerschlagen.

Die Bahn ist der mit Abstand größte Kunde der Schienenproduzenten. Der Auftrag für das kommende Jahr hat ein Volumen von rund 300 Millionen Euro. Um ein sauberes Verfahren zu gewährleisten, hatte die Bahn den laufenden Vergabeprozess und von den Firmen umfassende Informationen nachgefordert.

Kreisen zufolge haben Voestalpine und Moravia in der Bahn zugesichert, dass sie zu Schadensersatz für die früheren Kartellabsprachen bereit sind. „Wir müssen streng auf die vergaberechtlichen Regelungen und damit die Wirtschaftlichkeit achten“, sagte Bahn-Jurist Andreas Clément dem Handelsblatt. Zudem hätten sich die nötigen Compliance-Strukturen aufgebaut, um eine Wiederholung zu verhindern.

Ausschlaggebend dürfte aber der Preis gewesen sein. Dem Vernehmen nach haben die drei Bieter die mit Abstand günstigsten Preise geboten, die Konkurrenten Arcelor-Mittal und Luccini aus Italien konnten da nicht mithalten.

Nach dem geltenden Recht hätte die Bahn die Kartellsünder von der aktuellen Ausschreibung ausschließen können, Das Unternehmen entschied sich aber dagegen, da die Firmen umfassen zur Aufklärung der Vorwürfe beigetragen hätten, hieß es.

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