Deutsche Bahn Bauoffensive bringt Einschränkungen für Reisende

Neue Gleise, Weichen und Signale: Auf dem deutschen Schienennetz gibt es in diesem Jahr bis zu 850 Baustellen pro Tag. Auch in den nächsten Jahren will der Konzern den Sanierungsstau angehen.
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Die Deutsche Bahn will über sieben Milliarden Euro in ihr Schienennetz investieren, 200 Millionen Euro mehr, als im Vorjahr. Die Verspätungen und Zugausfälle während der Bauarbeiten sollen sich nach Angaben der Bahn in Grenzen halten. Quelle: dpa
Netzausbau bei der Bahn

Die Deutsche Bahn will über sieben Milliarden Euro in ihr Schienennetz investieren, 200 Millionen Euro mehr, als im Vorjahr. Die Verspätungen und Zugausfälle während der Bauarbeiten sollen sich nach Angaben der Bahn in Grenzen halten.

(Foto: dpa)

BerlinDie Bauoffensive bei der Deutschen Bahn führt auch in diesem Jahr für Fahrgäste zu Einschränkungen auf wichtigen Strecken. Der Bundeskonzern investiert die Rekordsumme von 7,5 Milliarden Euro in das deutsche Schienennetz. Das sind 200 Millionen Euro mehr als im Vorjahr, wie das Bundesunternehmen am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. In der Summe sind 2,3 Milliarden Euro für den Neu- und Ausbau der Strecken enthalten.

Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla versprach den Kunden mehr Qualität, mehr Kapazität und mehr Digitalisierung. „Das sind die Wege, um die Schiene zur ersten Wahl für Mobilität in Deutschland zu machen.“ Die Bahn arbeite hart daran, sieben Millionen Menschen sowie Güterzüge täglich sicher und zuverlässig ans Ziel zu bringen.

Ohne Umwege und längere Fahrtzeiten auf den Baustrecken ist das aber nicht zu erreichen. In Spitzenzeiten soll es 850 Baustellen pro Tag geben. Um die Folgen zu beschränken, werden die Bauvorhaben zu 66 Komplexen gebündelt, sogenannte Korridore. So soll die mehrmalige Sperrung derselben Strecke vermieden werden.

Besonders betroffen sein werden Kunden durch Arbeiten auf den Strecken Bremen-Münster (Mai bis November), Hannover-Würzburg (August bis Oktober), Frankfurt/Main-Heidelberg-Karlsruhe (April bis Juni), Wolfsburg-Stendal-Berlin (Mai bis November), Erfurt-Nürnberg (Juni bis Dezember) und Nürnberg-Würzburg-Frankfurt/Main (April bis Juni).

„Alle Informationen dazu sind seit Monaten in den Informations- und Buchungssystemen der Bahn hinterlegt“, betonte Pofalla. „Damit sind die Reisen mit der Bahn für unsere Kunden trotz der Bauarbeiten zuverlässig planbar.“ Er verwies auf 2016, als trotz gestiegener Baustellenzahl die baubedingten Verspätungen zurückgegangen seien.

Das sind die größten Baustellen der Bahn
Fernverkehr
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Erst vor wenigen Tagen hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr
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Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär– und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit
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174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur
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Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung
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Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21
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Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Das seit 2015 laufende Modernisierungsprogramm für das Schienennetz umfasst 28 Milliarden Euro bis zum Jahr 2019. Davon kommen 20 Milliarden Euro vom Eigentümer Bund und 8 Milliarden Euro aus Eigenmitteln der Bahn. Weitere 7 Milliarden Euro gibt der Bund für den Neu- und Ausbau von Strecken. Höhepunkt ist in diesem Jahr im Dezember die Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Berlin-München, die die Fahrtzeit zwischen beiden Städten um zwei Stunden verkürzt.

In diesem Jahr werden auf dem 33.000 Kilometer langen Netz insgesamt 1650 Kilometer Gleise erneuert, außerdem 1800 Weichen und 4600 Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik. Zu den 10.000 Ingenieuren bei der Bahn sollen in diesem Jahr 1000 hinzukommen. Man baue mit Bedacht und nicht auf Teufel komm raus, betonte das Unternehmen. Die Nebenwirkungen für die Kunden sollten so gering wie möglich gehalten werden.

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  • dpa
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