Deutsche Bahn: Ein bahn-tastisches Angebot

Deutsche Bahn
Ein bahn-tastisches Angebot

Wer künftig mit dem Fernzug nach Berlin reist, hat auch Anspruch auf ein Elektroauto. Das Gefährt können Bahnkunden direkt in Kombination mit ihrem Ticket buchen. Warum der Staatskonzern diese Marketing-Aktion lostritt.

Das einst so träge Staatsunternehmen Deutsche Bahn geht in die Marketing-Offensive: Am kommenden Donnerstag startet in Berlin ein Pilotprojekt mit Elektroautos. Wer mit dem Fernzug in die Hauptstadt reist, kann sich dort bei der Bahntochter Flinkster für 29 Euro am Tag ein Elektroauto leihen. Und das darf er dann sogar eine Woche lang behalten. Das Pilotprojekt ist zunächst nur auf Berlin begrenzt. Aber wenn es dort gut flutscht, dann soll es auch in anderen Städten angeboten werden. Soweit die Ankündigung der Bahn.

Grund für die Offensive ist sicherlich die Angst, noch mehr Kunden zu verlieren: Fernbusse mit Billigtarifen und Carsharing-Modelle machen ihr das Leben schwer. In den vergangenen Jahren hat sie massiv Fahrgäste verloren. Gerade im Vergleich zu Fernbussen ist die Bahn viel zu teuer und – nun ja – bei jungen Leuten eben einfach nicht mehr angesagt.

Die Bahn hält mit einer Marketing-Offensive dagegen und will endlich wieder hip sein. Deshalb will sie künftig auch in der 2. Klasse kostenloses Internet anbieten. Das sollte ursprünglich schon dieses Jahr kommen, mittlerweile ist das Projekt Volksnetz aber wohl auf 2017 verschoben.

In der ersten Klasse gibt es das Angebot ja schon, aber es ist eher theoretisch. Meistens funktioniert es nicht, weil beispielsweise der Router neu gestartet werden müsste, aber kein Schaffner an Bord dazu in der Lage ist. Und wenn das Internet mal funktioniert, dann geht es in die Knie sobald sich mehr als drei Leute angemeldet haben.

Darüber hinaus hat die Bahn angekündigt, eine Flut von 19-Euro-Tickets für Fahrten durch ganz Deutschland anbieten zu wollen. Wenn der Kunde allerdings zu einem bestimmten Zeitpunkt fahren, dann gibt es natürlich gerade zu diesem Termin kein Billigticket. Und Vielfahrer fordern, dass sich die Bahn statt auf Marketinggags mal wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren sollte: Nämlich Fahrgäste pünktlich und störungsfrei von A nach B zu transportieren.

Dafür müsste sie allerdings ihre veraltete und störungsanfällige ICE-Flotte sowie Stellwerke und Gleisanlagen endlich auf Vordermann bringen. Zurzeit gibt es gefühlt kaum eine Zugfahrt, die völlig reibungslos abläuft. Irgendwas ist immer. Aber ein runderneuertes Stellwerk bringt natürlich keinen einzigen jungen Buskunden zurück.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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