Deutsche Bahn

Grube kann die Talfahrt bremsen

Erfolg für Konzernchef Rüdiger Grube: Nach den hohen Verlusten im letzten Jahr kann die Deutsche Bahn wieder bessere Zahlen vorweisen. Der Betriebsgewinn ist laut einem Agenturbericht im ersten Halbjahr wieder gestiegen
Update: 26.07.2016 - 16:47 Uhr
Mit 1,007 Milliarden Euro konnte die Bahn ein gutes Betriebsergebnis vermelden. Quelle: dpa
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Mit 1,007 Milliarden Euro konnte die Bahn ein gutes Betriebsergebnis vermelden.

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BerlinDie Deutsche Bahn hat ihren jahrelangen Abwärtstrend zumindest gebremst. Dank eines stabilen Geschäfts mit der internationalen Logistik und eines harten Sparkurses, habe der Staatskonzern seinen Betriebsgewinn gesteigert, sagten mit den Zahlen Vertraute am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Geholfen hätten zudem die zahlreichen Sparangebote im Personenverkehr, die eine Rekordzahl von Passagieren in die Züge gelockt habe.

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) sei so um 13 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro gestiegen. Der Umsatz blieb mit rund 20 Milliarden Euro in etwa stabil. Noch im ersten Quartal hatte die Bahn die Vorjahreszahlen deutlich verfehlt. Geholfen hat ihr nun aber ein stärkerer Dollar, der das Ergebnis aus dem internationalen Geschäft in Euro gerechnet steigen ließ.

Die Zahlen könnten nun Bahnchef Rüdiger Grube helfen, dessen Vertrag in diesem Jahr verlängert werden müsste. Bisher hat sich der Eigentümer Bund hier bedeckt gehalten. Er verlangt neben der Verbesserung der Geschäftszahlen auch Fortschritte bei Service und Pünktlichkeit. Die Bahn will am Mittwoch über die Entwicklung im ersten Halbjahr berichten.

Den schrumpfenden Gewinn im ersten Halbjahr 2015 hatte Grube damals allerdings noch mit Sondereffekten begründet: Er verwies auf Unwetter und den Streik der Lokführer, ohne die der Gewinn fast 300 Millionen Euro höher ausgefallen wäre. Auf dieser Basis wäre der Betriebsgewinn in diesem Jahr also gar nicht gestiegen, sondern gesunken. Im Gesamtjahr 2016 strebt das Unternehmen internen Unterlagen zufolge einen Betriebsgewinn von knapp 1,9 Milliarden Euro an.

Tatsächlich hat sich das Kerngeschäft kaum gebessert: Die Güterbahn kommt weiter nicht aus der Krise und versucht sich auch über den Verkauf von Loks oder Waggons zu sanieren. Der Preisdruck auf die Tickets im Fernverkehr hält an, da die Bahn sich gegen die günstigeren Fernbusse behaupten muss. Immerhin steigt so die Zahl der Passagiere. Im Regionalverkehr aber schrumpft der Marktanteil der Bahn, da Konkurrenten immer mehr Aufträge der Länder gewinnen.

Insgesamt positiv läuft das internationale Speditionsgeschäft der Tochter Schenker, die für rund die Hälfte des Bahn-Umsatzes verantwortlich ist. Da die Geschäfte zudem überwiegend in Dollar abgerechnet werden, macht sich der gegenüber dem Euro in den letzten Monaten gewachsene Wert der US-Währung zugunsten der Bahn bemerkbar. Um die Verschuldung zu bremsen und Geld für Investitionen zu gewinnen, will die Bahn allerdings einen Minderheitsanteil von Schenker verkaufen. Dies stößt im Aufsichtsrat der Bahn jedoch auf Widerstand. Abstoßen will Grube zudem einen Teil des europäischen Regionalverkehrs unter der Marke Arriva. Arriva hätte in London an die Börse gehen können, wo das Unternehmen vor dem Kauf durch die Bahn schon einmal notiert war. Nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt steht dahinter jedoch ein Fragezeichen.

Das sind die größten Regional-Konkurrenten der Bahn
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In Großbritannien transportiert die Gesellschaft Go-Ahead eigenen Angaben zufolge mit 26.000 Mitarbeitern rund ein Drittel aller Bahnreisenden. So zum Beispiel „Ozzy“ Osbourne, Ex-Lead-Sänger der Band Black Sabbath, in Birmingham (Foto, Mitte). Das Unternehmen, das 1987 im Zuge der Privatisierung städtischer Busnetze durch ein Management-Buyout entstand, gehört inzwischen zu 30 Prozent der französischen SNCF-Tochter Keolis. In Baden-Württemberg will die 2014 in Berlin gestartete Deutschlandtochter nach der nun gewonnenen Ausschreibung 2019 Zugverbindungen aufnehmen.

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Die Pariser Gesellschaft Keolis, die in Deutschland die „Eurobahn“ (Foto) betreibt, ist eine 70-Prozent-Beteiligung der französischen Staatsbahn SNCF. Die restlichen 30 Prozent gehören einer kanadischen Pensionskasse. Keolis beschäftigt weltweit 60.000 Mitarbeitern und setzte zuletzt 5,6 Milliarden Euro um. Die von Düsseldorf aus gesteuerte Deutschland-Tochter ist in Ostwestfalen-Lippe, im sogenannten Hellweg-Netz zwischen Münster und Dortmund sowie zwischen Maas, Rhein und Lippe im Regionalverkehr aktiv. Ihr Marktanteil: Zwei Prozent.

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Die Hessische Landesbahn GmbH (HLB, Foto) gehört dem Land Hessen. Sie betreibt im Schienenverkehr die Strecken Lahntal-Vogelsberg-Rhön und Main-Lahn-Sieg. Hinzu kommen Verbindungen in der Wetterau, das Taunusnetz sowie die 3LänderBahn. In Deutschland kommt sie damit auf einen Marktanteil von drei Prozent.

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Das europaweit operierende Nahverkehrsunternehmen Abellio (Foto) wurde 2001 von der holländischen Staatsbahn Nederlandse Spoorwegen als NedRailways gegründet. Es beschäftigt mehr als 17.000 Mitarbeiter. Hierzulande zählen die Regionen Nordrhein Westfalen (Westfalen-Bahn) und Mitteldeutschland (Saale-Thüringen-Südharz-Netz) zu den Schwerpunkten. Gesteuert wird der Deutschlandbetrieb aus der Firmenzentrale in Berlin. Die operativen Einheiten sind Hagen, Halle/Saale und seit kurzem auch aus Stuttgart. Der Marktanteil liegt bei vier Prozent.

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Der Nahverkehrsanbieter Benex, der sich aus „Better Nexus“ („bessere Verbindung“) abkürzt, gehört zu 51 Prozent der Hamburger Hochbahn AG (HHA). Den Rest stellt der britische Infrastrukturfonds International Public Partnerships. Das Unternehmen mit 1.890 Mitarbeitern und 330 Millionen Euro Umsatz betreibt unter anderem die Regionallinien Metronom (Foto) und Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG), was ihm einen deutschen Marktanteil von rund vier Prozent bringt.

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Die 2003 in Hamburg gegründete Tochter des damals britischen Transportkonzerns Arriva, die sich 2011 den Namen Netinera gab, ist nach eigenen Angaben nach Deutscher Bahn und Transdev das drittgrößte Eisenbahnunternehmen Deutschlands ¬ mit einem Marktanteil von vier Prozent. Nach dem Verkauf Arrivas an die Deutsche Bahn ging die Deutschland-Tochter 2010 an ein Konsortium der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato (51 % der Anteile) und eines französisch-luxemburgischen Infrastrukturfonds. Die 3.800 Mitarbeiter betreiben unter anderem die Regentalbahn, die Berchtesgadener Landbahn und die Vlexx (Foto), die auch nach Frankreich fährt.

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Der französische Bahn-Verfolger Transdev gehört der staatlichen staatlichen Caisse des Dépôts und Veolia. Der Konzern zählt 119.000 Beschäftigte und erwirtschaftete einen Umsatz von acht Milliarden Euro. In Deutschland betreibt die Gesellschaft unter anderem die Bayerische Oberlandbahn (Foto), die Nord-Ostsee-Bahn in Schleswig-Holstein und die Nordwestbahn in Niedersachsen – mit einem deutschen Marktanteil von vier Prozent.

Der Brexit stellt ohnehin für die Bahn ein Risiko dar: Sie hat 33.000 Mitarbeiter auf der Insel, fast jeder zehnte Beschäftigte arbeitet somit dort. Auch ist sie in Großbritannien sowohl im Nah- und Fernverkehr als auch im Gütergeschäft aktiv. Da das britische Pfund gegenüber dem Euro nach dem Votum deutlich an Wert verloren hat, drohen der Bahn hier auch Abschreibungen.

Im vergangenen Jahr hatte die Bahn vor allem wegen milliardenschwerer Abschreibungen auf den Schienen-Güterverkehr einen Milliarden-Verlust eingefahren.

  • rtr
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