Deutsche Bahn: Güterzüge sollen leiser werden

Deutsche Bahn
Güterzüge sollen leiser werden

Krach von tonnenschweren Güterzügen plagt tausende Menschen entlang der Bahntrassen. Leisere Bremsen an Waggons sollen Entlastung schaffen – gelingt das bis 2020 nicht, drohen Fahrverbote. Nicht alle sind dafür.
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Berlin/DüsseldorfZum besseren Lärmschutz für Anwohner an Gleisstrecken will die Deutsche Bahn weitere laute Güterwaggons umrüsten. Bis zum Jahresende sollen 20.000 statt der bisher eingeplanten 14.500 Wagen in der Flotte leisere Bremsen haben, wie Vorstandschef Rüdiger Grube am Dienstag in Berlin sagte.

Der Konzern spreche derzeit mit weiteren Herstellern, um genügend Nachschub an Bauteilen für die bis 2020 vorgesehene Umrüstung sämtlicher Güterwaggons zu sichern. Wegen höherer Wartungskosten der neuen Bremsen warb Grube auch für Fördermittel, um die Wettbewerbsfähigkeit der Züge im Vergleich zu Lastwagen zu erhalten.

Der vom Bund mitfinanzierte Bremsen-Austausch soll den Bahnlärm auf dem deutschen Netz bis 2020 im Vergleich zum Jahr 2000 halbieren. „An diesem Ziel wird nicht mehr gerüttelt“, sagte der Bahnchef.

In die Güterzüge eingebaut werden Bremssohlen aus einem Verbundstoff, bei dem die Laufflächen der Räder nicht wie bei alten Bremsklötzen aus Grauguss aufgeraut werden. Mit glatten Rädern auf glatten Schienen rollen Züge leiser. Auf wichtigen Trassen etwa im Rheintal gibt es Anwohnerproteste gegen Lärm von Güterzügen, die auch nachts fahren.

Die bundeseigene Bahn hat vor einem Jahr mit dem Umrüsten begonnen. Bis 2020 sollen alle 60.000 vorhandenen Güterwaggons leisere Bremsen haben, hinzukommen sollen insgesamt 15.000 neue Wagen gleich mit den neuen Bremsen. Insgesamt rollen 180.000 Güterwagen über das deutsche Netz, viele aus Nachbarländern. Grube sprach sich deswegen für eine europäische Initiative aus, um neue Bremsen stärker durchzusetzen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte, dass laute Güterwaggons ohne neue Bremsen ab 2020 nicht mehr auf dem deutschen Netz fahren dürfen. Dies sei „ein unumstößlicher Termin“, ein entsprechendes Gesetz werde vorbereitet.

Laut Koalitionsvertrag soll der Stand der Umrüstung 2016 überprüft werden. Sollte dann nicht die Hälfte aller Güterwagen modernisiert sein, drohen demnach unter anderem Nachtfahrverbote für nicht umgerüstete Waggons.

Grube sagte, die Bahn werde diesen Umrüstungsgrad voraussichtlich erst einige Monate später erreichen. Er warnte zugleich vor wirtschaftlichen Nachteilen, sollte es etwa zu Tempobeschränkungen kommen. Dobrindt sagte, er werde keine Sanktionen ergreifen, die zu einer Verlagerung von Gütertransporten auf die Straße führten.

Der Vorstandsvorsitzende der größten europäischen Waggonvermieters VTG, Heiko Fischer, warnt die deutsche Politik vor Fahrverboten und Tempolimits für Güterzüge. „Wenn wir das alles machen, findet der Güterverkehr auf der Straße statt. Aber genau das soll ja verkehrspolitisch verhindert werden“, sagte Fischer dem Handelsblatt (Mittwochausgabe).

„Unsere Waggons sind meist auf Jahre vermietet und fahren irgendwo in Europa herum. Wo, das weiß nur unser Kunde. Die Waggons bekommen wir nur zu festgelegten Zeitpunkten zur Revision zurück. Erst dann können wir austauschen“, sagte er. Das politische Ziel, ab dem Jahr 2020 keine lauten Güterwagen mehr zu betreiben, sei aber gesichert.

Fischer sieht in der zunehmenden Zahl von Bürgerinitiativen gegen Bahnlärm eine ernste Gefahr für den Güterverkehr auf der Schiene. Dabei stünden die Vorteile der Schiene, vor allem was Umweltverträglichkeit und Transportsicherheit angehe, außer Frage.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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