Deutsche Bahn
Hamburg pokert um die Bahnzentrale

Die Deutsche Bahn will in das Hamburger Hafenumschlaggeschäft und den kommunalen Nahverkehr der Hansestadt einsteigen, doch die Pläne sind noch nicht unter Dach und Fach. Wie das Handelsblatt aus Senatskreisen erfuhr, will der Hamburger Senat den Vertragsschluss mit dem Bahnkonzern von einer Verlagerung der Bahnzentrale aus Berlin nach Hamburg abhängig machen. Die Beteiligten wollten sich nicht äußern. Gegen eine Verlagerung regt sich Widerstand in der Politik.

DÜSELDORF/HAMBURG/BERLIN Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Bahnchef Hartmut Mehdorn hatten am Freitag berichtet, dass Senat und Bahn über eine Beteiligung des Bahnkonzerns an der Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) und der Hamburger Hochbahn AG (HHA) verhandeln. Von Beust sagte bereits, der Konzern werde mit seiner Zentrale von Berlin an die Elbe umziehen. In einer Erklärung der Bahn ist dagegen nur von der Verlagerung zentraler Funktionen des Konzerns nach Hamburg die Rede. Ein Sprecher ergänzte jedoch, auch eine Verlagerung des Unternehmenssitzes sei vorstellbar.

Während von Beust und sein Wirtschaftssenator Gunnar Uldall die Bundesregierung aufforderten, nicht gegen eine Verlagerung der Konzernzentrale zu intervenieren, bezeichnete Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die Pläne als Unsinn. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, sagte, die Pläne seien ein „falsches Signal“. Sinn mache eine Verlagerung nur für die Logistik-Aktivitäten. Auch in Bahnkreisen hieß es kritisch, eine vollständige Verlagerung des Top-Managements weg von der Politik in Berlin sei „eigentlich nicht vorstellbar“.

Wie aus Kreisen der betroffenen Unternehmen zu hören war, haben sich die Beteiligten ohnehin auf ein mehrmonatiges Verhandlungsmarathon eingestellt. Die Gespräche hatten vor zwei Monaten begonnenen. Im Falle einer Einigung sei zudem mit einer mehrmonatigen Vertragsgestaltung zu rechnen.

Aus Bahnkreisen wurde bestätigt, dass Mehdorn bei beiden Unternehmen die Mehrheit anstrebe. Er hatte mehrfach erklärt: „Die Bahn will zu einem weltweit führenden Transport- und Logistikdienstleister heranwachsen.“ Erst in der vergangenen Woche hatte die Bahn AG bekannt gegeben, dass sie den US-Logistiker Bax übernimmt und in die Konzerntochter Schenker integriert. Außerhalb des Schienenverkehrs macht die Bahn mittlerweile mehr als die Hälfte ihres Umsatzes, der im Vorjahr bei 23 Mrd. Euro lag, im Ausland.

Der Hafenumschlag in Hamburg ist zumindest ein bahnnahes Geschäft, denn große Teile des Hinterlandverkehrs werden auf der Schiene abgewickelt. Die HHLA und die Bahn betreiben dazu gemeinsam die Containerzuggesellschaften Transfracht, Metrans und Polzug. Für Hamburg ist die HHLA eine der wesentlichen Ertragsperlen und mit 3 500 Mitarbeitern einer der wichtigsten Arbeitgeber im Hamburger Hafen. Das Unternehmen profitiert seit Jahren vom weltweit wachsenden Containergeschäft. So hat die HHLA beim Containerumschlag in Europas größtem Hafen mit fast fünf Mill. Einheiten bereits einen Marktanteil von 66 Prozent und erzielte 2004 einen Gewinn von mehr als 30 Mill. Euro. Zum rasanten Wachstum der HHLA beigetragen haben beispielsweise große Reedereien wie die Hamburger TUI-Tochter Hapag-Lloyd, die erst vor kurzem den kanadischen Konkurrenten CP Chips schluckte.

Seite 1:

Hamburg pokert um die Bahnzentrale

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%