Deutsche Bahn
ICE-Pannen kosten Bahn Millionen

Die Sicherheitsüberprüfungen der ICE-Achsen verursachen bei der Deutschen Bahn Kosten in hoher zweistelliger Millionenhöhe. Wer für den Schaden aufkommt, ist jedoch unklar: Ob die Industrie für schadhafte Achsen haften muss, ist völlig offen.

DÜSSELDORF. Die andauernden Sicherheitsüberprüfungen der ICE-Achsen werden bei der Deutschen Bahn Kosten in hoher zweistelliger Millionenhöhe verursachen. Die konkreten Summen sind allerdings derzeit ebenso wenig abzuschätzen wie die Frage, wer den Schaden bezahlt.

Durch die Ultraschallprüfungen der Achsen alle 30 000 Kilometer statt bisher im 300 000-Kilometer-Intervall seien in den Werken "zighunderte Sonderschichten" notwendig geworden, sagte ein Bahn-Sprecher. Neben diesem Aufwand rechnet die Bahn wegen ausbleibender Fahrgäste mit verringerten Einnahmen auf den betroffenen Linien der Neigetechnik-ICE-T und zusätzlichen Kosten für den Ersatzverkehr. Sollte am Ende der Untersuchungen ein kompletter Austausch der schadhaften Achsen erforderlich werden, wäre nach Einschätzung von Fachleuten das allein bereits ein Posten von gut zehn Mio. Euro.

Schlechte Erfahrungen haben Bahn und Industrie bereits in den vergangenen Jahren wiederholt beim Einsatz von Neigetechnik-Zügen machen müssen. Zum Pannenexpress wurde der von Adtranz und Nachfolger Bombardier gelieferte Dieseltriebzug der Baureihe VT 612 für den Regionalverkehr. Nachdem Risse in Achsen festgestellt worden waren, musste die Neigetechnik, mit der die Züge wie Motorradfahrer in Schräglage schneller durch Kurven fahren können, abgeschaltet werden.

Die Untersuchungen hatten zu dem Ergebnis geführt, dass die Achsen für die Belastungen im täglichen Betrieb falsch, also zu klein dimensioniert waren. Daraufhin waren bei 240 Zügen der Baureihe 612 und des Vorläufermodells 611 die Achsen komplett ausgetauscht worden. Wie aus Bahnkreisen zu hören ist, ist die Frage der Haftung bisher noch nicht geklärt. Hersteller und der Betreiber DB Regio streiten nach Angaben aus Bahnkreisen noch heute vor Gericht über einen dreistelligen Millionenbetrag.

Auch die Diesel-Variante des Neigetechnik-ICEs, der sogenannte ICE-TD, wurde nach kurzer Betriebszeit mit erheblichen Achsproblemen aus dem Verkehr gezogen und dem Hersteller Siemens übergeben, da die Gewährleistung noch nicht abgelaufen war. Siemens musste die Achsen ebenfalls komplett austauschen.

Die nunmehr in der Überprüfung stehenden Radsatzwellen stammen aus Italien. Sie wurden als Komponenten für die von der früheren Bahntechnik-Sparte von Fiat gelieferte "Pendolino"-Neigetechnik beim Hersteller Lucchini in der Nähe von Bergamo gefertigt. Das Unternehmen, das inzwischen von Alstom übernommen wurde, gilt in der Branche als hochqualifiziert. Die deutsche Aufsichtsbehörde, das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), hat Lucchini gestattet, Achsen in den eigenen Labors zu prüfen.

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