Deutsche Bahn in der Krise
Grube will fast 200 Loks verkaufen

Die Deutsche Bahn rutscht tiefer in die Krise. Laut einem Agenturbericht sind zum Jahresstart Umsatz und Gewinn weiter geschrumpft. Jetzt muss Bahnchef Rüdiger Grube den Sparkurs verschärfen – und verkauft fast 200 Loks.

BerlinDie Deutsche Bahn kann den Abwärtstrend nicht stoppen und verschärft ihren Sparkurs. Zwischen Januar und März machte der Staatskonzern einen Umsatz von 9,75 Milliarden Euro, wie Unterlagen zeigen, die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlagen. Selbst im verlustreichen Vorjahr waren es noch 160 Millionen Euro mehr. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag mit 384 Millionen Euro um rund 50 Millionen Euro unter Vorjahr. Der Trend setzte sich auch im April fort.

Neben den Kürzungsplänen im krisengeschüttelten Schienen-Güterverkehr stehen nun auch ein Viertel der rund 100 Instandhaltungswerke vor dem Aus. Ferner plant das Staatsunternehmen den Verkauf von fast 200 Lokomotiven an den japanischen Toshiba-Konzern, der damit ins Geschäft mit dem Lok-Verleih in Europa einsteigen will.

Die Bahn hatte im vergangenen Jahr erstmals seit zehn Jahren mit 1,3 Milliarden Euro wieder einen Verlust ausgewiesen. Verantwortlich war vor allem die Güterbahn, wo Abschreibungen von rund einer Milliarde Euro anfielen. Bahnchef Rüdiger Grube wechselte mehrere Vorstandsmitglieder aus und steht nun selber unter Druck. Sein Vertrag läuft 2017 aus und müsste deshalb bald verlängert werden. Für dieses Jahr hat er wieder einen Gewinn versprochen.

Der Negativ-Trend spiegelt sich auch in den Transportleistungen des Konzerns wider, der in diesem Jahr auf ein Vierteljahrhundert mit dem Flaggschiff ICE zurückblicken kann: Während sich dank vieler Sonderangebote die Passagierzahlen im Fernverkehr trotz der Bus-Konkurrenz stabil zeigen, leidet das Gütergeschäft weiter. Im ersten Quartal rutschte die Frachtleistung von DB Cargo um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr ab und auch die internen Plan-Vorgaben wurden verfehlt, wie die Reuters vorliegenden Unterlagen zeigen.

Die Frachtleistung – also Tonnen kombiniert mit gefahrenen Kilometern – schlug sich so auch im Betriebsergebnis nieder: Die Güterbahn blieb in Deutschland und europaweit in den roten Zahlen. Der Marktanteil des einstigen Monopolisten sackte auf rund 60 Prozent ab.

DB Cargo will nun radikal umbauen und auf unprofitable Transporte verzichten. So sollen 215 Güterbahnhöfe nicht mehr angefahren werden, über 100 weitere deutlich seltener. Zudem sollen bei DB Cargo rund 3000 der etwa 19.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Ab 2018 will man so wieder auf Wachstumskurs kommen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hält das Konzept jedoch für nicht überzeugend. In der nächsten Woche will sich der Aufsichtsrat des Konzerns daher in einer Sondersitzung mit dem Thema befassen.

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Güterbahn ist nicht der einzige Problemfall

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