Deutsche Bahn
Mehdorn-Abschied: Nur keine Schlammschlacht!

Die Ära Mehdorn ist zu Ende: Mit einem Festakt vor viel Prominenz wurde der frühere Bahnchef in Berlin verabschiedet. Aufsichtsratschef und Kanzleramtsminister würdigten den streitbaren Manager – übten aber auch vorsichtig Kritik. Mehdorn selbst nahm nochmal zur Datenaffäre Stellung und richtete sich dann direkt an seinen Nachfolger.

BERLIN. Der Weg zum hochkarätigen Ereignis führt vorbei an einer Sonderschau von Vespa-Motorrollern und historischen Hochrädern – in den Lokschuppen des Berliner Museums für Verkehr und Technik. Dort warnt eine alte Dienstanweisung: „Das Abschlammen im Lokschuppen ist verboten“. Was früher den Kohle-Rückständen in den Tendern der Dampflokomotiven galt, bekommt eine ganz eigene Bedeutung: Nur keine Schlammschlacht zum Abschied von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn!

Alle halten sich daran. Politik, Bahnindustrie, Verkehrsverbände, Eisenbahner und prominente Bahn-Ruheständler sind zusammengekommen, um dem Vorstandsvorsitzenden und vier seiner Vorstandsmitglieder einen würdevollen Abschied zu bereiten. Ein Ereignis, das Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller als „in der Historie der deutschen Unternehmen etwas ungewöhnlich“ nennt: Man komme zusammen, um die Verdienste von fünf Führungskräften der Bahn zu würdigen – „obwohl wir uns von ihnen trennen“.

Die Datenschutzaffäre bei der Bahn, im ölig riechenden Halbrund des Schuppens, ist der Hintergrund des Treffens, und Müller legt den Finger in die Wunde. Über Jahre sei im Unternehmen Bahn „an Recht und Gesetz vorbei gearbeitet worden“. Doch es wird kein Abschlammen: „Ein aktives persönliches Fehlverhalten ist keinem Vorstand vorzuwerfen“, betont Müller. Jeder der Vorstände könne „mit erhobenem Haupt“ den Konzern verlassen.

Müller, der Manager mit Politik-Erfahrung, zieht alle Register seiner Rhetorik. Beschreibt beispielsweise, wie der den CSU-Fürsten Otto Wiesheu für das Vorstandsamt des Bahn-Lobbyisten gewann. Wiesheu sei „die politisch-diplomatische Ergänzung zu Mehdorn“ gewesen. Und ergänzt im Nachsatz: Da habe es bei der Bahn ja „eine gewisse Marktlücke“ gegeben.

Nicht nur Wiesheu. Auch Norbert Bensel, früherer Personalvorstand und erfolgreicher Chef des Ressorts Transport und Logistik bekommt seine Würdigung. Ebenso Margret Suckale. Die Personalchefin der DB Mobility Logistics, von Müller als „in jeder Beziehung attraktive Frau“ umschmeichelt, hat schon einen neuen Job beim Chemiekonzern BASF. Der AR-Chef spricht von „widerwärtigen Zeitungsartikeln“, die vergeblich versucht hätten, Suckale in den Sumpf der Affäre zu ziehen. Freundliche Worte auch zu Norbert Hansen, dem erst im vorigen Jahr von der Spitze der Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet zum Personalvorstand der Bahn-Holding aufgerückt. Der Arbeitsdirektor ist schwer krank, hat sich für seinen Abschied einen halben Tag Urlaub aus seiner Klinik in Brandenburg besorgt.

Seite 1:

Mehdorn-Abschied: Nur keine Schlammschlacht!

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%