Deutsche Bahn
Mehdorn ist ganz „perplex“

Trotz der seit Monaten schwelenden Datenaffäre hat Bahnchef Hartmut Mehdorn offenbar bis zuletzt nicht mit seinem Abgang von der Unternehmensspitze gerechnet. Ob alle Mitarbeiter seine Äußerungen unterschreiben würden, darf aber bezweifelt werden.

HB BERLIN. „Das kam ja alles auch überraschend, das hätte ich ja nie gedacht, dass so was so möglich ist. Ich bin ja noch ganz perplex“, sagte er im Gespräch mit Reuters. Verwundert zeigte er sich auch über die Gewerkschaften, die mit ihrem Vertrauensentzug bei der Aufsichtsratssitzung Ende März den Rückzug erzwangen: „Ich hab das bis heute nicht verstanden. Ich hab nie ein Problem mit Gewerkschaften gehabt, nie ein Problem mit Betriebsräten gehabt“, sagte Mehdorn in seinen ersten öffentlichen Äußerungen nach seinem angekündigten Abschied von der Spitze der Deutschen Bahn.

Mehdorn, der zur Zeit in Frankreich Urlaub macht, sagte, das Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern von Transnet und GDBA sei sonst gut gewesen. „Die haben eigentlich auch immer profitiert von unserer Arbeit. Was da passiert ist, weiß ich nicht. Das muss man dann mal mit ein bisschen Abstand angucken.“ Die von Transnet und GDBA gestellten Aufsichtsräte hatten Mehdorn nach Angaben aus ihren Kreisen bei der Aufsichtsratssitzung zu Konsequenzen in der Datenaffäre aufgefordert. Als er sich geweigert habe, sei sein Rücktritt gefordert worden.

Von den Ermittlungen in der Datenaffäre erwartet Mehdorn keine großen Erkenntnisse mehr: „Ich denke, da wird nichts rauskommen. Ich habe jedenfalls zu keiner Zeit irgendetwas getan, wo ich ein schlechtes Gewissen haben müsste“, betonte er. Und verwies erneut darauf, dass er von den Vorfällen keine Kenntnis gehabt habe: „Dass man als Vorstandsvorsitzender auch nicht in jeder Ritze drin ist, das weiß doch wohl jeder.“ Daher könne er sich auch im Nachhinein keine großen Fehler ankreiden: „Wenn sie ein wirklich schlechtes Gewissen haben, dann verteidigen sie sich auch nicht. Da wird zu viel reinorakelt.“

Entschieden wehrt sich der amtierende Bahnchef gegen Vorwürfe, er wolle für sein Ausscheiden noch eine Abfindung: „Es geht um keine Abfindung, will ich auch gar nicht, es geht einfach um Vertragserfüllung.“ Daher seien Vorwürfe der Maßlosigkeit abwegig. „Das ist jetzt so eine Welle.“ Die Regierung hatte an ihn appelliert, angesichts der Diskussion um Managerbezüge ein „gewisses Gebot zur Mäßigung zu berücksichtigen.“ Ein Regierungssprecher räumte aber ein, er kenne Mehdorns Arbeitsvertrag nicht, der formal noch bis Mitte 2011 läuft. „Da wird Stimmung gemacht, da kann man sich nicht wehren, das ist eben das Problem“, sagte Mehdorn.

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