Deutsche Bahn
Preiserhöhungen kommen nicht

Die Deutsche Bahn will laut "Bild-Zeitung" erstmals seit acht Jahren zum Winterbeginn die Fahrpreise im Fernverkehr nicht erhöhen. Gleichzeitig kündigen die Gewerkschaften von Ende Oktober bundesweite Warnstreiks im Regionalverkehr an.

HB BERLIN. Die Deutsche Bahn will erstmals seit acht Jahren zum Winterbeginn die Fahrpreise im Fernverkehr nicht erhöhen. Das berichtet die „Bild“-Zeitung in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf Konzernkreise. Das betreffe alle ICE-, Intercity- und Eurocity-Verbindungen in Deutschland und grenzüberschreitend, schreibt das Blatt.

Darüber hinaus sollen auch die BahnCard-Preise mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 unverändert bleiben. Mit der Aussetzung der diesjährigen Preiserhöhung wolle der Konzern Kunden an die Deutsche Bahn binden und neue Fahrgäste gewinnen. Im Nah- und Regionalverkehr der S-Bahnen und Regio-Züge soll die Preiserhöhung für Normal- und Zeitkarten den Informationen zufolge im Schnitt unter 2 Prozent liegen.

Im Streit um einen Branchentarifvertrag hatten die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA am Dienstag derweil für übernächste Woche Warnstreiks im Regionalverkehr angekündigt. Grund seien die festgefahrenen Verhandlungen über einen Branchentarifvertrag für die Beschäftigten des regionalen Schienenverkehrs, den sie durchsetzen wollen. Gespräche werden parallel mit der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB) und sechs großen privaten Bahnunternehmen geführt. Der Staatskonzern und die Gruppe der Konkurrenten äußerten ihr Unverständnis über die Warnstreikankündigung.

Die ersten Warnstreiks sind nach Worten des Transnet-Vorsitzenden Alexander Kirchner für die am 25. Oktober beginnende Woche geplant. Zunächst solle die Arbeit stundenweise niedergelegt werden. Einen genauen Termin für den Start der Aktionen nannte er nicht. "Uns bleibt keine andere Wahl. Wir müssen die Gangart verschärfen", sagte Kirchner. Der zunehmende Wettbewerb in der Branche dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.

Die Personalkosten würden im zunehmenden Konkurrenzkampf immer weiter gedrückt, kritisierten die Gewerkschaften. Das jüngste Angebot an die Arbeitnehmervertreter liege vom Lohnniveau her 20 Prozent unter dem, was 90 Prozent der im Markt Beschäftigten verdienen. Das sei nicht akzeptabel, betonte Transnet-Chef Kirchner. "Wir haben den Eindruck, dass man uns versucht zu verschaukeln", sagte der Gdba- Bundesvorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Nun müsse deutlich gemacht werden, dass die Geduld am Ende sei.

Die Deutsche Bahn setzt weiterhin auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Ein vernünftiger Kompromiss sei machbar, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 29. Oktober festgelegt. Zuletzt hatten sechs Verhandlungsrunden keinen Durchbruch gebracht.

Die Gruppe der sechs großen Privatbahnen Abellio, Arriva , Benex, Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia Environnement Verkehr warf den Gewerkschaften vor, mit ihrem Streikaufruf die Chance auf einen gemeinsamen Tarifvertrag für nahezu 30 Verkehrsunternehmen aufs Spiel zu setzen. Das Anfang Oktober vorgelegte Angebot entspreche, bezogen auf das Jahresentgelt, etwa 90 Prozent des DB-Niveaus. Es seien die Gewerkschaften, die Gespräche über dieses Angebot verweigerten, heißt es in einer Erklärung der Sechs. Deren "realitätsferne Forderung", die Rahmenbedingungen des ehemaligen Monopolunternehmens DB auf die anderen Eisenbahnen zu übertragen, sei "auch ein Angriff auf die Arbeitsplätze in den Regionen".

Unterdessen verständigten sich die beiden Gewerkschaften auf einen Namen ihrer Nachfolge-Organisation. Transnet und die kleinere Gdba werden zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verschmelzen. Sie soll am 1. Dezember ihre Arbeit aufnehmen. Zuvor stehen noch am 30. November zwei parallel laufende Gewerkschaftstage in Fulda auf dem Programm. Beide Gewerkschaften verabschiedeten nun in Fulda den Vorschlag für eine Satzung und weitere wichtige Regularien. Transnet mit seinen rund 220 000 Mitgliedern gehört zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), die Gdba mit ihren rund 30 000 Anhängern gehört dem Beamtenbund an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%