Deutsche Bahn
Schienennetz soll mehr Gewinn abwerfen

Die Netzsparte der Deutschen Bahn will die Investitionen zurückfahren und mehr Gewinn an den Konzern abführen. Der Verkehr am Mainzer Hauptbahnhof rollt vorübergehend wieder im Normalbetrieb – allerdings nur kurzfristig.
  • 11

Die Netzsparte der Deutschen Bahn, die derzeit wegen der Stellwerksprobleme am Mainzer Hauptbahnhof in der Kritik steht, will die Investitionen weiter zurückfahren und gleichzeitig mehr Gewinn an die Konzernholding abführen. Das meldet die WirtschaftsWoche in ihrer neuesten Ausgabe unter Berufung auf vertrauliche Planzahlen, die dem Bahn-Aufsichtsrat Ende vergangenen Jahres präsentiert wurden.

Demnach will die Bahn die eigenen Investitionen ins Schienennetz (ohne Zuschüsse des Bundes) von 970 Millionen Euro in diesem Jahr auf 830 Millionen Euro im Jahr 2017 zurückfahren. Gleichzeitig soll der operative Gewinn der Konzerntochter DB Netz Fahrweg vor Steuern und Zinsen von knapp 890 Millionen Euro 2013 auf rund 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2017 erhöht werden.

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, sollen zudem die Einnahmen der Netzsparte, die die Bahn aus der Nutzung des Schienennetzes durch die eigenen sowie die Züge der Konkurrenten erzielt, von 4,8 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 5,3 Milliarden Euro 2017 steigen.

Nach dem Bahnchaos der vergangenen Wochen am Mainzer Hauptbahnhof fahren die Züge an diesem Wochenende vorübergehend im Normalbetrieb. Seit Freitagabend gelte wie vorgesehen der sonst übliche Fahrplan, teilte ein Bahnsprecher in Berlin mit. Auch an den anderen August-Wochenenden sollen keine Züge ausfallen. Unter der Woche gilt allerdings noch bis Ende des Monats ein eingeschränkter Fahrplan. An den Anzeigetafeln am Mainzer Hauptbahnhof waren am Samstagmorgen die vielen „Fällt aus“-Banner der vergangenen Tage verschwunden, Verspätungen bewegten sich im üblichen Bereich.

Seit zwei Wochen fallen am Mainzer Hauptbahnhof Züge aus oder müssen umgeleitet werden. Grund ist ein Personalmangel im Stellwerk. Dies hatte zu einer bundesweiten Debatte über Engpässe bei der Deutschen Bahn geführt. Trotz des Notfallfahrplans soll zum Schulstart nach den rheinland-pfälzischen Sommerferien am Montag der Zugverkehr für die Schüler in den Stoßzeiten weitgehend gesichert werden.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte sich zuvor erstmals seit Bekanntwerden der Personalengpässe bei dem Staatsunternehmen an die Kunden gewandt und sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. „Ich entschuldige mich ausdrücklich für die entstandenen Probleme“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Die Zugausfälle seien „eine große Blamage für die Bahn“, so Grube in der „Bild am Sonntag“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche Bahn: Schienennetz soll mehr Gewinn abwerfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Unbegreiflich ist mir wie bei Konkurrenz von Flugzeug, Schiff und Lkw die Bahn auf einmal Gewinne abwerfen soll.
    Die Lüge ist doch echt zu dumm. Die Bahn als Teil der Infrastruktur dient dem Land als strategischer Wettbewerbsvorteil, analog dem Personennahverkehr.
    Nur einen einzigen Tag Totalausfall und die Industrie flennt über reale Milliardenverluste!
    Wenn das Prekariat nicht zu den Knochenmühlen kutschiert wird, gehen in Zypern die Lichter aus.
    Gut war und ist die Bahn auch um im Kriegsfall schnell große Material und Schlachtviehmassen an die Front zu schaffen.
    Aber Gewinne, bei den Investitionen in Schienennetz, Personal und Technik. Für die Hersteller der Schienen und Züge vielleicht aber doch nicht für die Bahn.
    Deswegen wurde sie doch privatisiert, sie war Papa Staat zu teuer. Und nu quatscht jeder Hampel Schröders Song vom Shareholders Value nach. Was für Quatsch aber wen wundert es? Volksverdummung pur, Pisa ist so scheint es schon sehr alt.
    Wenn die Manager diesen Quatsch wirklich glauben, steht uns noch eine gewaltige Pleitewelle ins Haus.
    Das mag ein sparsüchtiger Politiker sabbern, als Firmenlenker ist eine solche Denke fatale Dummheit.

  • Hier zeigt sich deutlich, dass die politische Entscheidung, das Netz bei der DB AG zu lassen, eine krasse Fehlentscheidung ist. Netz und Betrieb gehören getrennt, damit Einnahmen aus dem Netz auch wieder in dieses investiert werden. Im integrierten Bahnkonzern verschwinden sie u.a. in zweifelhaften Auslandsinvesitionen, während die Infrastruktur in Deutschland verrottet.

  • Schon einmal daran gedacht, dass die Bahn die nicht aus Spaß baut, sondern damit die Zahl der Bahnübergänge (erhöhte Unfallgefahr für Verkehrsteilnehmer) nahe der Null liegt? ;)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%