Deutsche Bahn
Spähaffäre bleibt für Mehdorn folgenlos

Bahnchef Hartmut Mehdorn wird die Spähaffäre in seinem Konzern vermutlich unbeschadet überstehen. Unternehmensnahe Kreise sagten, dass die vom Aufsichtsrat eingeleiteten Untersuchungen der Wirtschaftsprüfer von KPMG und der Exminister und Rechtsanwälte Herta Däubler-Gmelin und Gerhart Baum keinen Anhaltspunkt für ein strafrechtlich relevantes Verhalten von Mehdorn ergeben hätten.

BERLIN. Mit dem Verkehrsminister verbindet ihn eine herzliche Männer-Feindschaft. Unter den Abgeordneten des Bundestags gibt es etliche Hasserfüllte, die ihn lieber heute als morgen aus dem Amt jagen wollten. Spätestens seit der Spähaffäre bei der Bahn fordern Vorverurteiler eifrig und ständig seinen Rücktritt. Der Verein Deutsche Sprache kürte ihn 2007 wegen Anglizismen wie „Service-Point“ zum „Sprachpanscher“ des Jahres, und in Beliebtheitsrankings deutscher Manager landet er regelmäßig auf den letzten Plätzen.

Das alles ficht Hartmut Mehdorn, im zehnten Jahr Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, erkennbar nicht an. Genauso wenig wie Pleiten, Pech und Pannen im Bahn-Alltag, die die Kundschaft immer wieder nerven. Seinen unternehmerischen Erfolg hat das alles ohnehin nicht geschmälert. Am Montag verkündet der Bahnchef stolz, dass 2008 für die Bahn zum vierten Mal in Folge ein Rekordjahr war.

Die geschäftliche Entwicklung der ersten drei Quartale war für die Bahn erneut so gut, dass sie zwar ihre ehrgeizigen Planziele nicht erfüllen, wohl aber die schweren Einbrüche in der Wirtschaftskrise noch einmal wegstecken konnte. So winkt Mehdorn ein kräftiger Bonus, doch die Krise bringt ihn dennoch um die Krönung seines Lebenswerks. Die Teilprivatisierung des Bundes-Konzerns mit einem schon für den letzten Herbst 2008 terminierten Börsengang, ist unabsehbar verschoben.

Und nun die Späh-Affäre. Am Freitag wollen die vom Aufsichtsrat zur Klärung eingesetzten Wirtschaftsprüfer von KPMG und auch die Ex-Minister und Rechtsanwälte Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin ihre ersten Untersuchungsberichte vorlegen. Der Bahnchef hatte bisher stets erklärt, mit illegalen Spüraktionen nichts zu tun zu haben.

Selbst wenn die Weste weiß bleibt, neigt sich die Ära Mehdorn langsam dem Ende zu. Dem Konzern fehlten nach dem Scheitern des Börsenganges langfristige Visionen und Ziele, beobachtet die Beraterszene. In der Bahnindustrie gilt der gute und zugleich gefürchtete Kunde zwar noch nicht als Auslaufmodell, doch die Frage, wer nach ihm an die Bahn-Spitze kommen könnte, wird immer leidenschaftlicher diskutiert – mit dem übereinstimmenden Fazit: Ausnahmeerscheinungen wie Mehdorn sind rar.

Auch im Unternehmen gibt es erste Anzeichen von Endzeitstimmung: „Es passiert nicht mehr viel, weil sich viele Führungskräfte schon auf die Ära nach Mehdorn einstellen“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dabei genießt der Bahnchef bei seinen leitenden Angestellten reichlich Rückhalt und wird auf Tagungen zuweilen mit Standing-Ovations gefeiert.

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