Deutsche Bahn startet Pilotprojekt
Entschädigung bald auch bei Nahverkehrs-Verspätungen

Verspätungen könnten bald auch im Nahverkehr für die Deutschen Bahn teuer werden. Reisende sollen auf Druck der Regierungskoalition und der EU auch hier Entschädigungen erhalten, wenn ihre Züge deutlich später ankommen als geplant.

HB BERLIN. Die Kunden sollten wie im Fernverkehr ein einklagbares Recht auf Entschädigungen bekommen, teilte die Bahn am Freitag in Berlin mit. Ein entsprechendes Pilotprojekt solle Ende Mai in Schleswig-Holstein starten, mit dem Ziel, das Modell später auf ganz Deutschland auszudehnen. Wenn ein Nahverkehrszug mehr als 60 Minuten Verspätung hat, soll der Reisende einen Gutschein im Wert von 25 Prozent des Fahrpreises erhalten. Bei mehr als zwei Stunden soll die Entschädigung die Hälfte des Preises ausmachen.

Die neuen Regelungen im Nahverkehr lehnen sich in einigen Punkten an die Kundencharta im Fernverkehr an. Dort gibt es bei Verspätungen über einer Stunde einen Gutschein von 20 Prozent des Preises. Die Regelungen bleiben allerdings weit hinter Vorschlägen eines Regierungsgutachtens zurück, auf das sich Union und SPD im Koalitionsvertrag beziehen. Das Bundesjustizministerium erarbeitet derzeit Vorschläge für Busse und Bahnen, die bis zum Sommer vorliegen sollen. Auch die EU hatte auf erweiterte Fahrgastrechte gedrängt.

Bereits im Koalitionsvertrag waren Verbesserungen verlangt worden: „Die Entschädigungsansprüche der Reisenden bei Verspätungen, Ausfällen etc. bei allen öffentlichen Verkehrsträgern werden nach Auswertung des vorliegenden Gutachtens zum Verbraucherschutz verbindlich festgeschrieben.“

Jährliche Kosten von über 270 Millionen Euro erwartet

Das Regierungsgutachten, das Reuters vorliegt, plädiert bei 30 Minuten Verspätung für eine Bar-Erstattung von 30 Prozent des Fahrpreises, 60 Prozent bei 60 Minuten und 90 Prozent bei 90 Minuten Verspätung im gesamten Bahnverkehr. Das Gutachten kommt auch zudem Schluss, dass auf die Bahn dann jährliche Kosten von über 270 Mill. Euro zukämen. Dabei wird unterstellt, dass jeder zweite Berechtigte Entschädigung einklagt. Zudem wird eine Bearbeitungszeit pro Fall von 15 Minuten angenommen.

Die Bahn lehnt in ihrer Stellungnahme die Überlegungen von Schwarz-Rot zur gesetzlichen Regelungen insgesamt als kontraproduktiv ab. „Es wäre theoretisch eine Preiserhöhung von weit über zehn Prozent notwendig“, heißt es in deren Gutachten zu den Koalitionsplänen, das Reuters ebenfalls vorliegt.

Die Vorschläge der Bahn für den Nahverkehr lehnen sich in einigen Punkten an EU-Überlegungen für eine Richtlinie an. Für den grenzüberschreitenden Fernverkehr hatten die EU-Verkehrsminister bei Verspätungen von über einer Stunde Entschädigungen von 25 Prozent des Fahrpreises beschlossen. Bei mehr als zwei Stunden, soll die Hälfte erstattet werden.

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