Deutsche Bahn
Streit um Sylt-Shuttle spitzt sich zu

Täglich fahren 40 Züge über den Hindenburgdamm, der einzigen Zugstrecke nach Sylt. Die Bahn streitet mit einem US-Konkurrenten über die Vergabe der Abfahrtzeiten – und leitet das Verfahren indirekt selbst.
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Die Verhandlungen um die begehrte Bahnverbindung zwischen Sylt und dem Festland sind vorerst im Konflikt geendet. Eigentlich sollten sich die Deutsche Bahn AG (DB) mit dem US-Eisenbahnbetreiber Railroad Development Cooperation (RDC) abstimmen, zu welchen Zeiten sie die lukrative Strecke künftig nutzen wollen. Wie das „Handelsblatt“ (Freitagsausgabe) berichtet, sorgte jedoch eine Streckenverlängerung der DB beim Wettbewerber RDC für Unmut.

Demnach wollte der Bahn-Konzern seinen Sylt-Shuttle nicht wie bislang nur von Westerland nach Niebüll fahren lassen. Er plante, an den Autozug noch einen Triebwagen zu hängen, der weiter bis nach Hamburg-Altona fährt. Dieses Manöver könnte dem ehemaligen Staatskonzern Vorteile bei der Vergabe der begehrtesten Abfahrtszeiten verschaffen. Denn eines der Vergabekriterien ist die Streckenlänge. Wer längere Strecken bestellt, zahlt mehr Geld – und hat am Ende Vorfahrt. Herrin des Verfahrens ist das DB-Unternehmen DB Netz AG.

Das RDC-Management zeigte sich erbost. „Die DB verfolgt offenbar die Taktik, RDC im Wettbewerb um die Vergabe Niebüll-Westerland dadurch auszustechen, dass sie längere Trassen bei ihrer Konzernschwester DB Netz AG bestellt als notwendig“, sagte Carsten Carstensen, RDC-Geschäftsführer Deutschland, dem Handelsblatt. Ein Bahn-Sprecher erwiderte: „Wir haben regelkonform unsere Trassen angemeldet. Offensichtlich gab es mehrere Trassenanmeldungen, die zu Trassenkonflikten führen. Wir führen derzeit Gespräche, um diese zu lösen.“

Anfang des Jahres hatte die Deutsche Bahn ihr Monopol für die Strecke Niebüll-Westerland an RDC verloren. Das Unternehmen darf nun zehn Jahre lang Autozüge täglich sechsmal auf die Insel fahren lassen – und fünfmal zurück. Bis dato ist allerdings nicht geregelt, zu welchen Zeiten RDC die begehrte Strecke belegen darf. Jährlich werden knapp eine Million Autos mit dem Zug auf der Strecke transportiert.

Massimo Bognanni ist Reporter im Handelsblatt Investigativ-Team.
Massimo Bognanni
Handelsblatt / Reporter im Investigativ-Team

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