Deutsche Bahn

Surfen zweiter Klasse

Die Deutsche Bahn baut ihr WLAN-Netz in den ICE-Zügen weiter aus. Es soll im kommenden Jahr auf 85 Prozent der Strecken verfügbar sein. Auch in der zweiten Klasse gibt es dann WLAN – allerdings mit Einschränkungen.
Update: 29.11.2016 - 14:29 Uhr Kommentieren
Schnelleres WLAN soll in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn im kommenden Jahr auf 85 Prozent der Strecken nutzbar sein. Quelle: dpa
WLAN im ICE

Schnelleres WLAN soll in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn im kommenden Jahr auf 85 Prozent der Strecken nutzbar sein.

(Foto: dpa)

BerlinDie Deutsche Bahn setzt bei Fahrten im ICE dem kostenlosen Internetzugang in der zweiten Klasse Grenzen. Den Reisenden steht ab Jahreswechsel ein Datenvolumen von 200 Megabyte pro Tag und Endgerät zur Verfügung, wie die Deutsche Bahn am Dienstag mitteilte. Danach werde die Übertragungsgeschwindigkeit gedrosselt. In der ersten Klasse kann das WLAN demnach vorerst weiter unbegrenzt genutzt werden.

WLAN sei für viele Kunden „eine absolute Selbstverständlichkeit im Lebensalltag“, sagte Fernverkehrschefin Birgit Bohle. Für die Deutsche Bahn sei es eine „ganz besondere Herausforderung“, auch bei Geschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern und mit 700 Reisenden an Bord eine kostenlose Internetverbindung zur Verfügung stellen zu können.

Das sind die größten Baustellen der Bahn
Fernverkehr
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Erst vor wenigen Tagen hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr
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Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär– und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit
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174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur
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Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung
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Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21
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Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bahn rüstet derzeit ihre ICE-Flotte mit einem verbesserten WLAN-System aus. Die neue Technik bündelt die Signale der drei Mobilfunkanbieter – Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica – und sorgt dadurch für eine bessere Versorgung mit Internet im Zug. Die zur Verfügung stehende Bandbreite soll das System dann möglichst gleichmäßig unter den Fahrgästen verteilen.

Auch in der zweiten Klasse könnten die Fahrgäste dann „einfach und kostenlos“ im Internet surfen, betonte Bohle. Mit dem zur Verfügung stehenden Datenvolumen könnten sie kommunizieren, E-Mails schreiben und auch Dateien herunterladen. In der ersten Klasse werde die Internetverbindung per WLAN durch die neue Technik „deutlich schneller und zuverlässiger“.

Das ist die neue Generation auf der Schiene
Eine neue Generation geht an den Start
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Der ICE 4 wurde am 14. September 2016 in Berlin offiziell vorgestellt. Ab Ende 2017 geht er in Dienst und soll dann Schritt für Schritt die Züge der ersten beiden Generationen ablösen. Seit 25 Jahren fährt der Hochgeschwindigkeitszug durch Deutschland.

Startschuss für den Hochgeschwindigkeits-Verkehr: Der ICE 1
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Der Intercity-Express hieß anfangs noch Intercity Experimental. Denn für die Deutsche Bahn war es eine Revolution. Der Hochgeschwindigkeits-Fernverkehr wurde auf Triebzüge umgestellt. Bis in die achtziger Jahre galten Lokomotiv-bespannte Züge als das Nonplusultra. 1987 bestellte die damalige Bundesbahn 41 ICE-Züge. Kostenpunkt 2,1 Milliarden D-Mark oder gut eine Milliarde Euro.

Premiere 1991
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In Betrieb gingen die Züge vor genau 25 Jahren, parallel zur Eröffnung der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover-Würzburg. Später bestellte die Bahn noch einmal 19 Züge nach. Der schwärzeste Tag dieser ersten ICE-Generation war der 3. Juni 1999. In Eschede entgleiste ein Zug, 101 Menschen kamen ums Leben. Der ICE 1 fährt maximal 280 Stundenkilometer schnell.

Die Marketingidee: Der ICE 2
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Die Idee für eine zweien Generation von ICE-Zügen kam eigentlich aus der Marketingabteilung der Bahn, die gerade (1994) privatisiert worden war. Denn die 44 ICE bestanden im Gegensatz zu ihrem Vorgänger mit maximal 14 Mittelwagen nur noch aus sechs Mittelwagen. Dafür sind zwei Züge koppelbar. Die Bahn...

Doppelzug für doppelt so viel Strecke
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...wollte mehr Flügelzüge einsetzen. So wird die Linie Berlin – Rheinland noch heute in Hamm getrennt, ein Zug fährt über das nördliche Ruhrgebiet nach Köln, der andere durch das südlich gelegene bergische Land. Hier hat es noch keinen Totalausfall gegeben. Alle Triebzüge sind bis heute im Einsatz. Höchstgeschwindigkeit 280 Stundenkilometer.

Der Kurvenspezialist: Der ICE T
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Um auch auf kurvenreichen Strecken schneller voranzukommen ohne dass die Gleisanlagen für Milliarden umgebaut werden müssen, entwickelte die Industrie auf Betreiben der Bahn in den neunziger Jahren den ICE T. 1999 und 2000 gingen insgesamt 70 Züge in Betrieb, deren Höchstgeschwindigkeit mit 230 Stundenkilometer naturgemäß geringer liegen konnte als bei den anderen ICEs.

Gute Kurvenlage
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Das Besondere an diesen Fahrzeugen ist die so genannte Neigetechnik. Die Triebzüge legen sich regelrecht in die Kurven – was allerdings nicht alle Fahrgäste als angenehm empfinden. Die ICE T waren die ersten Fernzüge, bei denen Fahrgäste in den Lounges der Endwagen dem Lokführer sozusagen über die Schulter sehen konnten.

Für 80 Prozent der Kunden sei das Datenvolumen ausreichend, betonte Bahn-Marketingvorstand Michael Peterson. Das Unternehmen werde aber im nächsten Jahr prüfen, inwieweit sich Fahrgäste höhere Bandbreiten oder größere Datenvolumen dazukaufen können.

Die neue WLAN-Technik ist Teil des Programms „Zukunft Bahn“, mit dem die Deutsche Bahn ihr Angebot verbessern möchte. Neben dem Internetzugang verbessert das Unternehmen bis Ende 2018 auch den Mobilfunkempfang in den Fernverkehrszügen. Zudem wird das Bordunterhaltungsprogramm ausgebaut. In die drei Komponenten investiert das Unternehmen innerhalb von drei Jahren 120 Millionen Euro.

  • dpa
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