Deutsche Bahn Verstärkte Expansion in Auslandsprojekte

Anstatt in den Inlands-Verkehr zu investieren, fokussiert sich die Deutschen Bahn zunehmend auf internationale Projekte, etwa in China oder Indien. Doch die Auslands-Geschäfte werden mit Argwohn betrachtet.
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Die Deutsche Bahn will ihren Güterverkehr mit China deutlich ausbauen. Auch in  Indien, Malaysia, Singapur und Australien werden Großprojekte geplant. Quelle: dpa
Güterzug aus der chinesischen Stadt Zhengzhou

Die Deutsche Bahn will ihren Güterverkehr mit China deutlich ausbauen. Auch in Indien, Malaysia, Singapur und Australien werden Großprojekte geplant.

(Foto: dpa)

Berlin Die Deutsche Bahn baut ihr Projektgeschäft im Ausland aus. Mit ihrer Tochter DB Engineering & Consulting (DB E&C) will sie vor allem in der Asien-Pazifik-Region Aufträge für die Planung neuer Schienennetze gewinnen. Dort würden etwa „90 Milliarden Euro jährlich in das System Schiene investiert“, sagte der Chef von DB E&C, Niko Warbanoff, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

„In den für uns 50 interessantesten Ländern weltweit gibt es ein Marktvolumen von 12 Milliarden Euro in unserem Ingenieur- und Beratungsgeschäft“, bei steigender Tendenz. Deshalb eröffne das Unternehmen derzeit etliche neue Büros, unter anderem in China, Indien, Malaysia, Singapur und Australien.

„Unsere Strategie ist es dabei, dass wir unsere Expertise erfolgreich international einsetzen und gleichzeitig wiederum fürs Inland von den weltweiten Entwicklungen lernen“, sagte Warbanoff. Der Konzernvorstand für Infrastruktur, Ronald Pofalla, wies auf den positiven Effekt der Auslandsprojekte hin: „Jeder Cent, den wir dort verdienen, fließt in den Konzern in Deutschland.“

Das sind die größten Regional-Konkurrenten der Bahn
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In Großbritannien transportiert die Gesellschaft Go-Ahead eigenen Angaben zufolge mit 26.000 Mitarbeitern rund ein Drittel aller Bahnreisenden. So zum Beispiel „Ozzy“ Osbourne, Ex-Lead-Sänger der Band Black Sabbath, in Birmingham (Foto, Mitte). Das Unternehmen, das 1987 im Zuge der Privatisierung städtischer Busnetze durch ein Management-Buyout entstand, gehört inzwischen zu 30 Prozent der französischen SNCF-Tochter Keolis. In Baden-Württemberg will die 2014 in Berlin gestartete Deutschlandtochter nach der nun gewonnenen Ausschreibung 2019 Zugverbindungen aufnehmen.

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Die Pariser Gesellschaft Keolis, die in Deutschland die „Eurobahn“ (Foto) betreibt, ist eine 70-Prozent-Beteiligung der französischen Staatsbahn SNCF. Die restlichen 30 Prozent gehören einer kanadischen Pensionskasse. Keolis beschäftigt weltweit 60.000 Mitarbeitern und setzte zuletzt 5,6 Milliarden Euro um. Die von Düsseldorf aus gesteuerte Deutschland-Tochter ist in Ostwestfalen-Lippe, im sogenannten Hellweg-Netz zwischen Münster und Dortmund sowie zwischen Maas, Rhein und Lippe im Regionalverkehr aktiv. Ihr Marktanteil: Zwei Prozent.

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Die Hessische Landesbahn GmbH (HLB, Foto) gehört dem Land Hessen. Sie betreibt im Schienenverkehr die Strecken Lahntal-Vogelsberg-Rhön und Main-Lahn-Sieg. Hinzu kommen Verbindungen in der Wetterau, das Taunusnetz sowie die 3LänderBahn. In Deutschland kommt sie damit auf einen Marktanteil von drei Prozent.

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Das europaweit operierende Nahverkehrsunternehmen Abellio (Foto) wurde 2001 von der holländischen Staatsbahn Nederlandse Spoorwegen als NedRailways gegründet. Es beschäftigt mehr als 17.000 Mitarbeiter. Hierzulande zählen die Regionen Nordrhein Westfalen (Westfalen-Bahn) und Mitteldeutschland (Saale-Thüringen-Südharz-Netz) zu den Schwerpunkten. Gesteuert wird der Deutschlandbetrieb aus der Firmenzentrale in Berlin. Die operativen Einheiten sind Hagen, Halle/Saale und seit kurzem auch aus Stuttgart. Der Marktanteil liegt bei vier Prozent.

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Der Nahverkehrsanbieter Benex, der sich aus „Better Nexus“ („bessere Verbindung“) abkürzt, gehört zu 51 Prozent der Hamburger Hochbahn AG (HHA). Den Rest stellt der britische Infrastrukturfonds International Public Partnerships. Das Unternehmen mit 1.890 Mitarbeitern und 330 Millionen Euro Umsatz betreibt unter anderem die Regionallinien Metronom (Foto) und Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG), was ihm einen deutschen Marktanteil von rund vier Prozent bringt.

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Die 2003 in Hamburg gegründete Tochter des damals britischen Transportkonzerns Arriva, die sich 2011 den Namen Netinera gab, ist nach eigenen Angaben nach Deutscher Bahn und Transdev das drittgrößte Eisenbahnunternehmen Deutschlands ¬ mit einem Marktanteil von vier Prozent. Nach dem Verkauf Arrivas an die Deutsche Bahn ging die Deutschland-Tochter 2010 an ein Konsortium der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato (51 % der Anteile) und eines französisch-luxemburgischen Infrastrukturfonds. Die 3.800 Mitarbeiter betreiben unter anderem die Regentalbahn, die Berchtesgadener Landbahn und die Vlexx (Foto), die auch nach Frankreich fährt.

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Der französische Bahn-Verfolger Transdev gehört der staatlichen staatlichen Caisse des Dépôts und Veolia. Der Konzern zählt 119.000 Beschäftigte und erwirtschaftete einen Umsatz von acht Milliarden Euro. In Deutschland betreibt die Gesellschaft unter anderem die Bayerische Oberlandbahn (Foto), die Nord-Ostsee-Bahn in Schleswig-Holstein und die Nordwestbahn in Niedersachsen – mit einem deutschen Marktanteil von vier Prozent.

Besonders großes Potenzial sieht Warbanoff in China: Dort werde es „bis ins Jahr 2030 geplante oder schon laufende Projekte geben, um 230 Metro- oder Straßenbahnsysteme zu entwickeln, zum Teil neue, zum Teil Erweiterungen.“ DB E&C hat dort eine eigene Landesgesellschaft und zwei Projektbüros, weitere Standorte sind geplant.

In Indien ist DB C&E an der Planung des Ausbaus einer Güterverkehrs-Trasse im Nordosten des Landes beteiligt. Ein anderes Prestigeprojekt mit deutscher Unterstützung ist eine Metro in Katar mit einem Streckennetz von 300 Kilometern. In Südafrika geht es um den effiziente Kohle-Transport von 50 Minen zu einem Hafen am Indischen Ozean.

„Einen unserer größten Aufträge - im mittleren zweistelligen Millionenbereich - haben wir mit dem Hochgeschwindigkeitsprojekt in Saudi-Arabien, Al Haramain High Speed, gewonnen, und sind auch mitten in der Umsetzung“, berichtete der Geschäftsführer. Auf der 450 Kilometer langen Strecke zwischen Mekka, Dschidda und Medina sollen vom nächsten Jahr an Züge mit bis zu Tempo 320 durch die Wüste fahren. In der Region laufe derzeit eine weitere Ausschreibung für ein Großprojekt, „da geht es für uns um einen dreistelligen Millionenbetrag“.

DB Engineering & Consulting beschäftigt derzeit gut 4300 Mitarbeiter aus 73 Nationen. Die Firma betreut Großprojekte im In- und Ausland. Im Ausland bildet sie auch Mitarbeiter für den Eisenbahnbetrieb aus.

  • dpa
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