Deutsche Bahn
Vier Szenarien für den Börsengang

Der Börsengang der Deutschen Bahn setzt in Politik, Wirtschaft und Verbänden etliche Kontroversen frei. Gleich mehrere Szenarien werden für eine Notierung an der Börse diskutiert. Das Handelsblatt stellt vier davon vor.

Integrierter Konzern: Alles bleibt, wie es ist: Die gesamte Infrastruktur verbleibt unter einem Holdingdach und geht komplett als Konzern an die Börse. Zur Infrastruktur gehören im Wesentlichen das Schienennetz und die Bahnhöfe sowie die eigentlichen Bahn-Verkehrsunternehmen – Fernverkehr, Regio und Railion (Güterverkehr). Die heute schon bestehende Öffnung des Schienennetzes für Wettbewerber bleibt unverändert: Der diskriminierungsfreie Zugang anderer Bahnunternehmen zum Netz ist gesetzlich gesichert und wird von der Bundesnetzagentur kontrolliert. Über eine Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn wird der Mittelfluss aus der Staatskasse für die Infrastruktur geregelt.

Rückholoption: Ausgangspunkt ist auch hier das Integrationsmodell. Allerdings baut der Bund eine Sicherung ein: Sollte der Bahnkonzern das Schienennetz nach dem Börsengang vernachlässigen, kann er sich das Netz zurückholen, ohne es den Investoren abkaufen zu müssen. In diesem Fall müsste er aber die Investitionen erstatten, die die Bahn-Eigentümer in der Zwischenzeit in die Schiene gesteckt haben.

Nießbrauch: Der Bund behält das Eigentum am Netz und an den Bahnhofs-Immobilien. Er beauftragt aber die Bahn damit, diese Infrastruktur weiter zu bewirtschaften. Rein äußerlich würde sich dann nicht viel ändern, denn die Mitarbeiter der heutigen DB Netz AG würden weiterhin Bedienstete des Bahnkonzerns bleiben. Geregelt würde die Bewirtschaftung durch ein auf 30 Jahre angelegtes Nießbrauchrecht.

Eigentumsmodell: Der Bund lässt sich das privatrechtliche Eigentum an der kompletten Infrastruktur von der Bahn zurückübertragen. Zugleich erteilt er dem Konzern den Auftrag, operativer Betreiber der Infrastruktur zu bleiben. Das Vermögen wird in einer seperaten staatlichen Gesellschaft gebündelt. Um dieses Modell zu verwirklichen, müssten neue bürokratische Organisationen aufgebaut werden, die die vertragliche Schnittstelle zwischen Bahn und Bund herstellen. Erwartet wird, dass ein solches Modell etwa zwei Jahre organisatorische Vorbereitung benötigt und deshalb die Bahn-Privatisierung verzögert.

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