Deutsche Bauunternehmen wittern Aufträge in Indien
Deutsche machen Indern den Weg frei

Auf dem Subkontinent müssen Milliarden in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden, damit die Wirtschaft blühen kann. Wie so oft gehört Siemens zu den Vorreitern.

MUMBAI. Der Containerfrachter „Lübeck Express“ liegt schon zwei Monate im schmierig-braunen, nach Öl stinkenden Hafenwasser von Mumbai, dem alten Bombay. An Bord sind 150 Container mit dringend erwarteten Fahrzeugteilen. Die Kräne kommen mit dem Umladen nicht nach. In der nahe gelegenen deutschen Autofabrik stehen deswegen die Fließbänder still.

Was für den Autohersteller ein Problem ist, erfreut deutsche Bauunternehmen und Verkehrstechnik- Lieferanten: Sie wittern Aufträge in Indien. Wenn die Transportwege nicht so schlecht wären, könnte die Wirtschaft deutlich schneller wachsen, sagen deutsche und indische Unternehmer. Die Regierung will daher in den nächsten Jahren einen zweistelligen Euro-Milliardenbetrag in den Ausbau von Straßen, Schienen, See- und Flughäfen stecken. Erste Gelder fließen schon, auch an deutsche Unternehmen.

Wie so oft gehört Siemens zu den Vorreitern. Die indische Firma Diesel Locomotive Works kauft von den Münchenern 450 Elektromotoren für Lokomotiven, die auf Fernstrecken zum Einsatz kommen sollen – ein erster Schritt, um Güter schneller von A nach B zu schaffen. Denn die Durchschnittsgeschwindigkeit der indischen Eisenbahn liegt laut einem Weltbank-Report bei schlappen 22 Kilometern in der Stunde.

Jeder fünfte Eisenbahn-Waggon schafft es nicht einmal aus dem Depot, so vergammelt ist die Ausrüstung teilweise. Das Schienennetz stammt zu großen Teilen noch aus der Kolonialzeit und ist dem stetig steigenden Verkehr nicht mehr gewachsen. Bis 2007 sollen die ärgsten Flaschenhälse mit einem Sonderprogramm beseitigt werden. Umgerechnet rund 2,6 Mrd. Euro lässt sich das der indische Staat kosten.

Auch der Nahverkehr muss dringend modernisiert werden. Die Züge gleichen von Außen Viehwaggons und beim Blick ins überfüllte Innere drängt sich ebenfalls diese Assoziation auf. Die Bevölkerung in den Millionenstädten wächst täglich um mehrere Tausend. Neue Technik wird dringend benötigt.

Das wohl ehrgeizigste Nahverkehrsprojekt Indiens ist gerade in der Hauptstadt Neu-Delhi angelaufen. Hier entsteht bis 2021 aus dem Nichts ein 245 Kilometer langes U-Bahn-Netz. Die Züge unter der Erde sollen den Trend hin zum eigenen Auto und die damit verbundene Luftverschmutzung bremsen. Eine Schlüsselposition beim U-Bahn-Bau fällt der zur Walter-Bau gehörenden Dywidag zu. Das Unternehmen gräbt zusammen mit Partnern eine knapp sechs Kilometer lange Röhre direkt unter dem Stadtzentrum. Das Auftragsvolumen liegt bei 380 Mill. Dollar. Dafür liefert das Konsortium auch die Belüftung, Beleuchtung und den Innenausbau der Bahnhöfe. Die Arbeiten gehen zügig voran: Der Übergabetermin ist von März 2006 auf Juni 2005 vorverlegt worden.

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