Deutsche Beteiligung an Swiss halten Branchenexperten für wenig wahrscheinlich
Lufthansa-Flirt mehr Wunsch als Realität

Das Interesse der Lufthansa an der angeschlagenen Schweizer Fluggesellschaft Swiss stößt zunehmend auf das Unverständnis der Investoren: Anhaltende Marktspekulationen um eine mögliche Beteiligung der deutschen Fluggesellschaft an der Swiss belasten die Aktie der Kranich-Airline seit Wochenanfang deutlich.

hz/oli FRANKFURT/ZÜRICH. Tatsächlich reden die Vorstände der beiden Gesellschaften dem Vernehmen nach über eine Kooperation. Doch nach Informationen aus Branchenkreisen gilt eine finanzielle Beteiligung der Deutschen als sehr unwahrscheinlich. „Lufthansa braucht die Swiss nicht“, sagte Uwe Weinreich, Luftfahrt-Experte der Hypo-Vereinsbank. Die Schweizer seien für die Lufthansa interessant, wenn sie mit ihrer Regionalflotte Zubringerflüge aus der Schweiz zu den deutschen Drehkreuzen Frankfurt und München leisteten – und dafür sei keine Beteiligung notwendig.

Der Chef der Schweizer Fluggesellschaft, André Dosé, kann sich eine Partnerschaft mit der deutschen Airline durchaus vorstellen. Er sei überzeugt, dass die Konsolidierung in der Luftfahrtindustrie in Europa komme, und „wir werden uns einem Partner anschließen müssen“, sagte er diese Woche in einem Zeitungsinterview: „Die Lufthansa ist ein möglicher Partner, ja“.

Swiss steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Für das neue Restrukturierungsprogramm braucht die Swiss insgesamt 500 Mill. Franken an frischem Kapital. Doch aktuelle Gespräche über eine Beteiligung gebe es nicht, heißt es in der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt. Einem Schweizer Pressebericht zufolge könnte die Lufthansa indes 130 bis 195 Mill. Euro (200 bis 300 Mill. sfr) für ein Drittel der Anteile an der Airline zahlen – inklusive derOption auf eine spätere Mehrheit. Lufthansa kommentiert diese Spekulationen offiziell nicht.

Nach Informationen aus Branchenkreisen werden jedoch Gespräche auf Vorstandsebene über eine Kooperation geführt. Luftfahrt-Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz hält es durchaus für möglich, dass auch Gespräche über eine Übernahme geführt werden. Doch vernünftig wäre dies nach Ansicht vieler Experten nicht.

Tatsächlich sprechen viele Argumente gegen einen Einstieg der Lufthansa bei den Eidgenossen: Bisher ist die deutsche Fluggesellschaft mit Beteiligungen an Fluggesellschaften stets sehr zurückhaltend gewesen – insbesondere wenn es sich um Sanierungsfälle handelt. Außerdem hat Lufthansa gerade in München ihr Drehkreuz ausgebaut, dessen Einzugsgebiet bis nach Italien reicht und ihr damit bereits jetzt Zugang zum lukrativen Schweizer Markt sichert. Gestern erhöhte Lufthansa den Druck noch und senkte ihre Flugpreise zwischen Deutschland und Zürich, der Heimatbasis der Swiss. Die wenigen Perlen der Schweizer wie das profitable Afrika-Streckennetz könnten die Gefahren eines finanziellen Engagements nicht aufwiegen, meinen viele Analysten. Branchenkenner halten es auch für möglich, dass Swiss selbst die Gerüchteküche am Brodeln hält, um den Widerstand von British Airways an einem Eintritt der Schweizer in das Luftfahrtbündnis Oneworld zu brechen. Schließlich sind die Briten der ausgesprochene Wunschpartner der Schweizer – und ein Flirt mit der Konkurrenz könnte durchaus die eigene Attraktivität steigern.

Selbst Branchenbeobachter in der Schweiz halten einen Einstieg der Lufthansa derzeit für keine realistische Variante. In einigen Monaten dürften die Konditionen besser sein, weil die Swiss entweder bis dahin ihren Restrukturierungsplan umgesetzt hat, oder aber wegen einer drohenden Pleite günstiger zu haben sei, heißt es bei Analysten.

Quelle: Handelsblatt

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