Deutsche Börse
Optimismus trotz Nyse-Fusionsflop

Die gescheiterte Fusion der Deutschen Börse mit der New Yorker Nyse Euronext hat die Frankfurter 100 Millionen Euro gekostet. Die Führung des Marktbetreibers weist alle Verantwortung von sich und guckt lieber nach vorne.
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FrankfurtDie Deutsche Börse steht trotz mauer Geschäfte zum Jahresanfang zu ihrer Prognose für 2012. "Das laufende Jahr hat aufgrund des anhaltenden Vertrauensdefizits der Marktteilnehmer verhalten begonnen", sagte Vorstandschef Reto Francioni am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Frankfurt. "Dies führt aber nicht dazu, dass wir unsere Wachstumsziele aus den Augen verlieren. Sie gelten unverändert." Die Aktionäre lobten Francioni für die Ergebnisse des Konzerns. Kritik gab es dagegen wegen der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse und der Wahl von Ex-Siemens -Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger in den Aufsichtsrat.

Andreas Lang von der Aktionärsvereinigung DSW erinnerte daran, dass in den Jahren zuvor auch geplante Zusammenschlüsse der Deutschen Börse mit der Londoner LSE und der europäischen Mehrländerbörse Euronext gescheitert waren. "Mir stellt sich die Frage, ob es nicht auch an unserem Management lag, dass keine dieser Fusionen funktioniert hat", sagte Lang. Aktionär Karl-Walter Freitag kritisierte, dass die Börse die hessischen Aufsichtsbehörden nicht vorab über das Fusionsvorhaben informiert habe. "Das ist der Gipfel von Dilettantismus. Das Scheitern war vorprogrammiert." Er verstehe nicht, warum der Aufsichtsrat nach der geplatzten Fusion noch an Vorstandschef Francioni festhalte.

Die EU hatte die Fusion im Februar wegen der Marktmacht beider Konzerne im Derivategeschäft an europäischen Börsen untersagt. Die EU betrachtete bei ihrer Prüfung nur den europäischen Derivatemarkt und ließ den außerbörslichen Handel (OTC) außen vor, der rund vier Fünftel des Marktes ausmacht. Die Deutsche Börse hat aus diesem Grund Klage gegen das Veto beim Europäischen Gerichtshof eingereicht, damit sie Klarheit für künftige Übernahmen hat. Die Kosten für die Klage in erster Instanz bezifferte Francioni auf 1,5 bis zwei Millionen Euro.

Die Führung der Deutschen Börse weist jede Verantwortung für das Scheitern der Fusion mit der New Yorker NYSE Euronext von sich. Der Zusammenschluss sei von Brüssel „aufgrund einer fehlerhaften Einschätzung der wettbewerbsrechtlichen Situation“ verhindert worden, bekräftigte der scheidende Aufsichtsratschef des Dax-Konzerns, Manfred Gentz, am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Frankfurt. „Niemandem im Unternehmen ist daraus ein Vorwurf zu machen.“

Gentz (70), der das Kontrollgremium seit Anfang Dezember 2008 führt, tritt aus Altersgründen mit Ablauf des Aktionärstreffens ab. Nachfolger soll nach dem Willen des Aufsichtsrates Ex-Allianz- Vorstand Joachim Faber (62) werden. Turnusgemäß werden in diesem Jahr alle 18 Aufsichtsratsmitglieder der Deutschen Börse AG neu gewählt, 12 davon im Rahmen der Hauptversammlung.

Auch Börsenchef Francioni wies die Kritik zurück und verteidigte die Kosten für Fusionsvorbereitung von rund 100 Millionen Euro. "Hätten wir die Chance nicht zu nutzen versucht, hätten wir eine großartige Gelegenheit zur Fortentwicklung unserer Unternehmens verstreichen lassen", sagte Francioni. Das Veto der EU-Wettbewerbshüter sei nicht vorherzusehen gewesen und beruhe auf einer fehlerhaften Marktdefinition der EU-Kommission.

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