Deutsche Börse will LSE-Clearing übernehmen
Nervenkrieg um die Londoner Börse

Der Nervenkrieg um das zukünftige Clearing der Londoner Börse (LSE) erreicht eine neue Dimension. Mittlerweile macht sich auch die Deutsche Börse AG Hoffnung, in den britischen Markt einzusteigen. Die Frankfurter stehen in Verhandlungen mit den Londonern, um deren Clearing zu übernehmen. Aus Londoner Finanzkreisen heißt es, die Gespräche seien weit gediehen.

chp/fs LONDON. Allerdings sind solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen, denn es gibt einen harten Verhandlungspoker. Bislang ist das London Clearing House (LCH) für die Verrechnung des Londoner Marktes zuständig.

Die nicht-profitorientierte LCH verkündete jedoch kürzlich einen Zusammenschluss mit der Euronext-Tochter Clearnet, was der LSE nicht passt. Konkret stört man sich an dem großen Einfluss der in Paris beheimateten Vierländerbörse. Diese hält an dem Abwickler mehr als 40 %. In London fürchtet man, dass Euronext den gemeinsamen Clearer dominiert und geringere Gebühren für sich herausschlägt. Daher versucht die LSE mit Abwanderungs-Drohungen, die eigenen Clearing-Bedingungen zu verbessern. Euronext wiederum versucht, diese Bedenken zu zerstreuen.

Für die Deutsche Börse wäre ein Einstieg in den britischen Markt ein Prestigegewinn. Im Aktienbereich stehen die Frankfurter europaweit isoliert da, während die LCH künftig ein Netzwerk über ganz Europa unterhält. Angesichts der nach Meinung von Londoner Marktteilnehmern im Vergleich zur LCH teureren Clearing-Gebühren müsste Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert den Londonern jedoch deutliche Konzessionen einräumen.

Auch der gestern angekündigte Einstieg der LSE in den Handel mit niederländischen Aktien macht die Aussichten der Deutschen nicht wahrscheinlicher. Denn als „Zentrale Gegenpartei“ für diesen Service nutzt die LSE künftig Clearnet. Ein Link zwischen dem LSE-eigenen System Sets und dem Clearnet-Angebot Clearing 21 – mit dem in Zukunft auch das Londoner Clearing House arbeiten wird – ist also bald ohnehin vorhanden. Die deutsche Seite gab gestern keinen Kommentar ab. Aus London hieß es, es gebe noch keine Entscheidung.

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