Deutsche Böse und Nyse: Mega-Börsenfusion droht zu scheitern

Deutsche Böse und Nyse
Mega-Börsenfusion droht zu scheitern

Nachdem das Zusammengehen von T-Mobile USA und AT&T scheiterte, droht nun auch der Fusion von Deutscher Börse und der New York Stock Exchange das Aus. Die Börsenbetreiber kämpfen nun verzweifelt um ihr Projekt.
  • 8

Frankfurt/New YorkAn der Börse geht es um Wahrscheinlichkeiten. Was passiert, wenn ..? Wie wahrscheinlich ist, dass …? Niemand weiß dies besser als Reto Francioni, der Chef der Deutschen Börse. Mit Zahlen, Daten und den damit zusammenhängenden Wahrscheinlichkeiten kennt er sich aus. Sehr gut sogar. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Deutsche Börse tatsächlich mit ihrem Wunschpartner, der New York Stock Exchange (Nyse Euronext) fusioniert? Dazu sagt Francioni, der wortkarge Schweizer – nichts. Er wartet ab. Und hofft.

Andere spekulieren dagegen kräftig. Fünfzig-fünfzig betrage die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, heißt es in Frankfurter Finanzkreisen. Es habe in den vergangenen Wochen aber schon mal schlechter ausgesehen für Francionis Pläne. Ein Sprecher der Aktionärsvertretung DSW sagt, die Chancen, dass der Zusammenschluss der beiden Handelsbetreiber wie geplant funktioniere, läge lediglich bei 40 Prozent. So zumindest sei die Wahrnehmung der Anteilseigner. Tendenz eher fallend. Und diese Einschätzung scheint nach Handelsblatt-Informationen der Realität wohl sehr nahe zu kommen.

Aus Finanzkreisen war jedenfalls am Dienstag zu hören, die EU-Kommission plane, das Projekt, durch das der größte Börsenkonzern weltweit entstünde, abzulehnen. Formal sei die Entscheidung aber noch nicht gefallen. Grund für die Bedenken der Kommission ist das europäische Derivategeschäft, das durch die Fusion in eine neue Größenordnung wachse, die die europäische Behörde als wettbewerbsverzerrend ansieht.

Beide Börsen betonten an diesem Dienstag, ihnen sei von der EU-Kommission noch keine Entscheidung mitgeteilt worden. Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte gegenüber dpa, dass es einen noch nicht verabschiedeten Entscheidungsentwurf der Fachbeamten gebe. Zum Inhalt sagte er nichts. Die Kommission muss bis zum 9. Februar entscheiden.

Die Fusion war im Februar 2011 beschlossen und dann im Sommer von den Aktionären abgesegnet worden. In den USA ist sie bereits genehmigt worden. Ursprünglich hatte man gehofft, den Zusammenschluss zum Jahreswechsel vollziehen zu können.

In Finanzkreisen hieß es am Dienstag, die Chefs beider Börsen, Reto Francioni und Duncan Niederauer, würden am Mittwoch  zu einem Krisentreffen in New York zusammenkommen. Daran würden auch die Fusionsteams beider Seiten teilnehmen. Dabei sollen die nächsten Schritte diskutiert werden. Eine gemeinsame Erklärung sei danach aber nicht geplant, hieß es.

Kommentare zu " Deutsche Böse und Nyse: Mega-Börsenfusion droht zu scheitern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Deutschland, Hessen und Frankfurt können kein Interesse an einer Übernahme der Frankfurter Börse durch New York haben. Hier versucht wie weiland Seyfart ein Schweizer Deutschlands Interessen zu verkaufen. Die Übernahme des US-amerikanischen/Britischen Bilanzstandards IFRS war bereits eine Sauerei, da dieser Gläubigerinteressen (Vorsichtsprinzip nach HGB!) konterkariert hat. Die Konsequenzen sind bekannt. Mit Ratingagenturen ist es dasselbe. Und jetzt auch noch die Börse? Hessens Ministerpräsident als Vertreter eines wichtigen Teilhabers der Börse AG muß diesen fundamentalen Unsinn verhindern! Der Witz: Die Software der Frankfurter Börse ist um Längen besser als die der New Yorker. Wieder soll deutsche Technologie und deutsche Wirtschaftsstandards verraten und verkauft werden. Die EU kann einem dabei gestohlen bleiben. Diese Organisation ist eh nichts Wert.

  • Börsen sind im Kern Softwareunternehmen, die Handelsplattformen bereitstellen. Nun ist geplant, das Unternehmen "Dt.Börse AG" mit dem US-Unternehmen NYSE zu verschmelzen.
    Das entstehende Unternehmen ist wiederum ein US-Unternehmen. In der Aussendarstellung wird hier geflunkert, indem die Aktion als Übernahme der NYSE durch die Dt. Börse dargestellt wird. Tatsächlich aber entsteht ein US-Unternehmen im Besitz der beiden bisherigen Aktionärsgruppen.
    Dass die Aktionärsgruppe der bisherigen Dt.Börse zunächst überwiegt, macht das entstehende Unternehmen nicht zu einer Gesellschaft nach dt.Recht. (Obwohl man diesen Anschein erweckt)
    Vertraglich ist auch die anfängliche Überzahl von Dt.Börse-Vertretern in den Kontrollgremien zeitlich eng begrenzt. Verabschieden sollte sich Hessen von frohen Erwartungen auf Steuereinnahmen.
    Das neue US-Unternehmen installiert einen Lizenzinhaber in den Niederlanden. Dieser wird den alten "Dt.Börse-Rest" in Hessen mit Lizenzkosten belasten und so die Gewinne dort minimieren. Von den Niederlande aus sind die Gewinne anschließend nach bewährten Muster zu Steueroasen portierbar. (s. Google, Bermudas, Dutch Sandwich )

  • Wenn es so käme, wäre das eine ausgesprochen GUTE NACHRICHT

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%