Deutsche Buchbranche will 2004 Umsatz stabil halten
Buchhandel setzt auf Zugpferde wie "Harry Potter"

Dem deutschen Buchhandel geht es schlecht. Auch 2003 verzeichnet die Branche wieder Umsatzeinbußen. Schuld an der Misere sei die Gesamtkonjunktur, sagte Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.

HB FRANKFURT. Nach drei Krisenjahren will die deutsche Buchbranche 2004 ihren Umsatz stabil halten. „Ich kann keine Prognose abgeben, die ein Plus vor dem Komma enthält“, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, am Donnerstag in Frankfurt. Die Buchbranche werde sich voraussichtlich nur langsam von der Krise erholen und hänge wie andere Branchen von der Gesamtkonjunktur ab.

2003 war der Umsatz der Buchbranche nach Schätzungen des Börsenvereins um 1,7 Prozent auf 9,07  Mrd. Euro gesunken. Die leichte gesamtwirtschaftliche Belebung habe sich damals nicht im Kaufverhalten niedergeschlagen, sagte Schormann. „Das Geld wird gespart, nicht im Konsum ausgegeben.“

Wie in anderen Handelsbranchen seien die Verbraucher preissensibler geworden. „Wir sind da keine Ausnahme“, sagte Jürgen Bach, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses im Börsenverein. Die Verlage reagierten auf die Entwicklung, indem sie zum Beispiel einige Bücher gleich als Taschenbuch auf den Markt brächten und nicht erst in gebundener Ausgabe anböten. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Aussichten haben die Verlage ihre Titelproduktion insgesamt jedoch nicht gedrosselt, im Gegenteil: Die Zahl der neuen Titel (Erstauflagen) stieg im vergangenen Jahr um knapp drei Prozent weiter auf 61  538 an. Zu den Gewinnern zählte die Belletristik, die weiterhin den größten Anteil an den Neuauflagen hat.

Der Online-Buchhandel habe dagegen 2003 weiter zugelegt. Etwa zehn Prozent mehr Bücher als noch im Vorjahr seien über das Internet verkauft worden, sagte Schormann. 350 bis 400 Millionen Euro Umsatz würden im Internet gemacht. Allerdings sei der Marktanteil des Online-Handels kleiner als ursprünglich gedacht, wie neuere Marktforschungsstudien ergeben hätten. Auch verlangsame sich das Wachstum des Online-Marktes. Gemessen am Gesamtumsatz des Buchhandels können die Online-Anbieter aber nach wie vor nicht mit den stationären Buchhandlungen mithalten: Ihr Marktanteil lag den Angaben zufolge 2003 bei rund 4 Prozent.

Ihre Hoffnungen setzt die Branche wie schon in den vergangenen Jahren auf Zugpferde wie „Harry Potter“; der sechste Teil der Reihe soll 2005 erscheinen. Als Exportschlager erweisen sich vor allem deutsche Kinder- und Jugendbücher. Am beliebtesten war deutsche Literatur 2003 wieder in China und Korea, aber auch für die Übersetzung ins Albanische oder Galizische wurden Lizenzen vergeben.

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