Deutsche Großkanzleien unter starkem Erfolgsdruck
Rechtsanwaltskanzleien wandeln sich

Die Großkanzlei Linklaters will sich von vier Partnern trennen. Insidern der Kanzlei zufolge spielen die Partner zu wenig Umsatz ein. Die Wellen intern schlagen hoch. Unter den Partnern finde eine „Säuberungswelle“ statt, beklagt ein internes Papier, das dem Handelsblatt vorliegt.

Auch soll 15 Partnern das Salär gekürzt oder eingefroren werden. In dem Papier werden der Kanzlei „mangelnde menschliche Qualitäten“ und „Willkür“ vorgeworfen. Weil mit den betroffenen Partnern Gespräche und Abfindungsverhandlungen laufen, will sich Linklaters hierzu nicht äußern.

Linklaters ist kein Einzelfall, bei anderen sind es nur nicht so viele Betroffene. Und: Schweigeklauseln verhindern größere Spektakel. Aled Griffiths, Chef des Branchenblattes „Juve“ berichtet: „Außer Kanzleien wie Hengeler, die die Fusionswelle mit den Angelsachsen nicht mitmachten, haben fast alle Großkanzleien solche Fälle.“ Seit die Maßstäbe der Angelsachsen gelten, ist der Honorardruck gestiegen.

Die Kanzlei Linklaters gerät vor allem deshalb in den Fokus, weil sie es war, die vor drei Jahren noch unter dem Namen Oppenhoff & Rädler 35 Partner mit goldenem Handschlag verabschiedete – just bevor sie sich der britischen Anwaltsfirma Linklaters anschloss. Damals hieß es, die Kollegen passten nicht zur neuen, internationalen Strategie.

Hinter den Trennungen steckt auch ein Kulturwandel. Dauerte früher eine Partnerschaft – wie eine Ehe – lebenslänglich, mutieren Großkanzleien jetzt zu normalen Unternehmen. Markus Hartung, Kanzleimanager von Linklaters sagt: „Unser Geschäftsmodell verpflichtet jeden Partner, sein Geschäft auch weiter zu entwickeln. Nicht alle sind dazu bereit.“ „Jede Sozietät steht kontinuierlich unter dem Druck, leistungsschwache und unmotivierte Partner auszukämmen“, sagt Walter Klosterfelde, Welt-Vize bei Lovells. Weil die Gewinnverteilung in internationalen Kanzleien höchst delikat sei, würden die Kollegen die Zahlen genau überprüfen: Macht jeder Partner genug Umsatz – und entnimmt er nicht etwa mehr an Gewinn, als er überhaupt an Umsatz hereinbringt?

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