Deutsche haben Lust auf Edles
Luxus ist geil

Ein Brownie im Restaurant Brulee in Atlantic City, serviert mit Quinta-do-Noval-Nacional-Portwein im Zerstäuber für 1 000 Dollar – die Lust der Käufer auf Edles lässt die Hersteller erlesener Marken boomen. Als Statussymbol reicht auch den Deutschen längst nicht mehr die Taschenuhr vom Großpapa. Es muss der neue 911er Porsche sein. Gründe dafür gibt es gleich mehrere.

DÜSSELDORF. Ein Füller mit 1 273 weißen und 127 blauen Diamanten auf Korpus und Kappe von Montblanc für 380 000 Euro, eine Armbanduhr mit 1 308 Diamanten und Brillianten, 45 Karat, von Piaget für 716 000 Euro, ein Brownie im Restaurant Brulee in Atlantic City, serviert mit Quinta-do-Noval-Nacional-Portwein im Zerstäuber für 1 000 Dollar, oder ein Computer im Platingehäuse für 999 999 Euro.

Haben Sie sich nicht auch schon einmal gefragt, wer kauft so etwas? Wer gönnt sich, seinen Liebsten oder seinen Geschäftspartnern solche Pretiosen?

Seien Sie sicher: Weder Sie noch ich noch einer meiner Kollegen noch – wahrscheinlich – einer Ihrer Kollegen. Von solchen Schmuckstücken gibt es meist nur eine Handvoll Exemplare, wenn es gar nicht nur eine Studie ist. Der Hinweis „Preis auf Anfrage“ ist darauf meist ein stiller, aber sicherer Hinweis. Der Füller, die Uhr, der Brownie, der Computer sind Symbole, die zeigen was ginge, und Lust machen auf das, was geht. Sie sind die (unerreichbare) Spitze des Zuckerhuts, an dessen ach so süßen Sockel wir stehen und schauen und staunen mit hungrigen Augen. Eines Tages reicht es dann, und wir ziehen los, und gönnen uns etwas Besonderes, um Teil zu sein des Dole Vita.

Wer kennt sie nicht, die Bling-Bling-Boulevards? Die Münchener Maximilianstraße, den Neuen Wall in Hamburg, die Frankfurter Goethe Straße, die Düsseldorfer Königsallee, den Berliner Kudamm am südlichen Ende, oder die Friedrichstraße? Wer stand noch nie, vor den glitzernden Auslagen? (Der schreibe mir bitte eine E-mail …) Die Konsummeilen sind heute am Samstag belebter als einst die Kirchhöfe am Sonntag. Und der schwäbische Ausdruck „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ müsste heute heißen: „Packe, packe, Einkaufstütle“.

Die Präsenz in Deutschland ist für die einschlägigen Luxusmarken aus Italien und Frankreich längst keine Pflicht mehr, sondern Kür. Waren die Filialen früher klein und versteckt, drückten sich die Kunden verstohlen durch die getönten Türen, so ist Luxus heute auch im Technikwunderland Deutschland zum Allgemeingut und zur Triebfeder des Konsums geworden. Jenes Sich-etwas-gönnen-wollen hat auch den Deutschen Michel erreicht. Seine Schlafmütze ist heute von Hugo Boss, mindestens, wenn nicht von Baldessarini, und die Schürze seiner Ehefrau von Louis Vuitton. Und als Statussymbol reicht nicht mehr die Taschenuhr vom Großpapa. Es muss der neue 911er Porsche sein. Kurzum: Nicht Geiz ist geil. Luxus ist geil.

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