Deutsche Lufthansa
Swiss, die unartige Tochter

Von außen betrachtet war die Beteiligung der Lufthansa an der Schweizer Fluggesellschaft eine durchaus lohnende Invesition. Doch in der Schweiz hat die deutsche Fluglinie nicht nur Freude an ihrer Neuerwerbung.

ZÜRICH. Töchter, das wissen Eltern ganz genau, machen nicht nur Freude. Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss zum Beispiel ist von außen eine recht hübsche Tochter der Lufthansa. Sie gehört ihr zwar erst zu 49 Prozent, wird aber tatsächlich voll von ihr kontrolliert. Hinter den Kulissen allerdings, am Abendbrottisch sozusagen, macht das Töchterchen gerade jede Menge Ärger.

Nicht nur, dass Ende September an einem einzigen Tag beinahe alle Europa-Flüge der Swiss ins Wasser fielen, weil die Piloten streikten. Nein, damit hatte es nicht sein Bewenden: Seither wird hier und da ein Flug gestrichen, Umbuchungen sind an der Tagesordnung. Auf 148 Flüge, die nicht abgehoben haben, wird sich die Zahl Ende dieses Monats summieren. Schuld sind wieder die gleichen Piloten. Diesmal bloß streiken sie nicht, sondern sind krank.

Bevor jetzt den Eltern die Geduld mit der Tochter ausgeht, sei ihnen hier ein Blick in deren Psyche gewährt. Da ringen zwei Gene miteinander. Die Swiss wurde nach dem Untergang der Swissair aus eben dieser vornehmen Pleitegesellschaft und der quirligeren und vergleichsweise gesunden Crossair gegründet. Beide zusammen ergaben die Swiss, nur waren sie einander nie grün. Die Ex-Crossair-Piloten pochten von Anfang an darauf, dass sie gleich hohe Löhne bekommen wie die Ex-Swissair-Piloten. Das ist aus ihrer Sicht durchaus verständlich. Nur fliegen sie eben die kleineren Flugzeuge. Und weil auch bei anderen Fluggesellschaften die Piloten der kleineren Flugzeuge weniger verdienen, weil der Druck in der Branche groß ist und bei so genannten Billigfliegern die Löhne noch niedriger liegen, will die Swiss die Lohnforderung der ehemaligen Crossair-Piloten nicht erfüllen.

Dass sich bei den inneren Kämpfen, die das Töchterchen Swiss auszustehen hat, mit Thomas Issler als Präsident der Gewerkschaft der ehemaligen Crossair-Piloten und Martin Brennwald als Operations-Chef der Swiss zwei Vertreter der beiden Lager gegenüberstehen, erleichtert die Sache nicht eben. Issler macht diesen Job noch nicht lange.

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