Deutsche Post
Briefträger streiken unbefristet

Die Deutsche Post weicht nicht zurück, Verdi lässt die Muskeln spielen: Ab dem Nachmittag sollen die Briefträger und Paketboten unbefristet streiken. Eine Lösung des Streits scheint nicht in Sicht.
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Frankfurt/BonnErstmals seit dem Börsengang vor 15 Jahren wird die Deutsche Post von unbefristeten, bundesweiten Streiks getroffen. Die Gewerkschaft Verdi werde die Postler schrittweise in den Arbeitskampf führen, kündigte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis am Montag an. Sie wolle im Tarifkonflikt den Druck auf den Post-Vorstand damit massiv erhöhen. Zunächst sollen bundesweit 116 Verteilzentren vom Ausstand getroffen werden.

Die Post nannte die Streiks „unverhältnismäßig und in Bezug auf die laufende inhaltliche Auseinandersetzung destruktiv“. Personalchefin Melanie Kreis appellierte an Verdi, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Beuge sich der Konzern der Gewerkschaft, drohten ihm Mehrkosten von 300 Millionen Euro und damit Nachteile im Wettbewerb.

Das Klima zwischen Verdi und dem Post-Management ist seit Monaten vergiftet. Entzündet hatte sich der Konflikt nach der Ankündigung des Bonner Konzerns, Tausende neue Stellen schaffen zu wollen - allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistik-Branche, diese liegen deutlich unter dem Haustarif der Post. Konzernchef Frank Appel hatte erst Ende Mai diesen Kurs verteidigt: „Wir sind mit unseren Löhnen nicht wettbewerbsfähig. Deshalb müssen wir neue Wege gehen.“

Verdi will Appel nun zwingen, die Entscheidung zu revidieren: Auch in den neuen Gesellschaften soll wieder nach dem für rund 140.000 Postler geltenden Haustarifvertrag gezahlt werden, fordert die Gewerkschaft. Sie hatte der Post dazu ein ultimatives Angebot vorgelegt, das auch einen Verzicht auf eine Lohnerhöhung für 2015 beinhaltete. Der Konzern wies dies ab.

Der Post zufolge arbeiten rund 6000 Menschen in den neuen Gesellschaften, bis zum Jahresende sollen es rund 8500 Beschäftigte sein. Personalchefin Kreis stellte sich erneut entschieden hinter diesen Schritt: Die Post wolle massiv in ihr boomendes Paketgeschäft investieren. Das im Vergleich zur Konkurrenz höhere Lohnniveau verhindere aber, dass der Konzern dauerhaft im Wettbewerb mithalten könne. Deshalb zahle die Post in den neuen Gesellschaften nun „marktgerechte Löhne“: „Diese neue Struktur ist unverzichtbar.“ Niemand verliere durch die neuen Firmen seinen Arbeitsplatz.

Die Brief- und Paketsparte der Post, in der nun gestreikt wird, soll in diesem Jahr den Planungen der Post zufolge einen operativen Gewinn (Ebit) von mindestens 1,3 Milliarden Euro einfahren. Im Konzern sollen es 3,05 bis 3,20 Milliarden Euro werden. Im kommenden Jahr will Appel dann operativ noch deutlich mehr verdienen - zwischen 3,4 und 3,7 Milliarden Euro sind dann das Ziel. Die vom Tarifstreit in Deutschland betroffenen Postler machen nur einen Teil der weltweiten Belegschaft aus: Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 490.000 Mitarbeiter.

Verdi-Verhandlungsleiterin Kocsis pocht auf ihre Position. Die Post habe sich in den bisherigen sechs Verhandlungsrunden mit Verdi um keinen Millimeter bewegt und die Offerte Verdis ignoriert. Verdi ziehe nun die Konsequenzen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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