Deutsche Post dämpft Gewinnerwartungen für die Expresstochter
DHL korrigiert Ziele in den USA

Die Deutsche Post rechnet nicht mehr damit, 2005 in den USA mit der Expresstochter DHL die Gewinnschwelle zu erreichen. Noch im Frühsommer hatte Post-Chef Klaus Zumwinkel vorgegeben, dass DHL dort 2005 aus den roten Zahlen kommen solle. Doch davon rückte der Konzern jetzt auf einer Investorenkonferenz in Bonn ab. Analysten erwarten nun erst 2006 Gewinne auf diesem Markt.

DÜSSELDORF. Der USA-Chef von DHL, John Fellows, machte die Pläne vor Analysten erstmals von Bedingungen abhängig und versetzte damit den Gewinnerwartungen einen Dämpfer: „Ob DHL 2005 den Break-even erreichen wird, hängt davon ab, wie zügig die Integration der von DHL erworbenen Airborne verläuft, wie sich die Konjunktur entwickelt und wie viele Kunden von UPS und Fedex zu uns wechseln werden.“ UPS und Fedex sind die mit weitem Abstand führenden US-Expressdienste. Will sich DHL als Nummer drei in den USA etablieren, muss die Post-Tochter den Konkurrenten Marktanteile abjagen.

Das ist offenbar schwieriger als erwartet, sagten Analysten nach der Bonner Konferenz. Morgan Stanley jedenfalls hält nun erst 2006 einen Gewinn in den USA für realistisch. 2005 werde es DHL nur gelingen, den Verlust von mehr als 300 Mill. Euro im laufenden Jahr auf 75 Mill. Euro zu senken, kalkuliert die US-Investmentbank. Nils Machemehl von M.M. Warburg ist da optimistischer: Ein zweistelliger Verlust im Jahr 2005 sei für ihn nur ein „Worst Case Szenario“, sagt er. Es werde aber sicherlich sehr schwierig, bereits 2005 die Gewinnschwelle in den USA zu erreichen, schränkt der Analyst ein.

Fellows ließ sich auf dem Kongress nicht in die Karten gucken und hielt sich mit neuen Zeitvorgaben zurück. Er rechnet ganz allgemein erst frühestens in ein oder zwei Jahren nach Erreichen der Gewinnschwelle mit einer Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent in den USA. „Das gelingt uns aber nicht allein durch Kostensenkungen,“ betonte Fellows. Die Zusammenlegung von Standorten bringe zum Teil erhebliche Einsparungen. „Wir brauchen Wachstum,“ sagte Fellows. DHL will den Marktanteil von heute sieben auf 20 Prozent in den nächsten fünf bis zehn Jahren steigern. Doch dazu muss DHL den Konkurrenten UPS und Fedex in den USA Paroli bieten. Beide zusammen kommen heute auf 84 Prozent.

Zwar steckt DHL 1,2 Milliarden Dollar in das neue Transportnetz in den Vereinigten Staaten, aber die Analysten bleiben skeptisch. JP Morgan moniert trotz der Fortschritte bei der Integration von Airborne und bei der Verbesserung des Serviceangebots, dass nach wie vor offen bleibe, wie DHL in den USA Marktanteile gewinnen wolle.

Einen Preiskrieg hat Fellows auf dem Kongress ausgeschlossen. DHL liegt aber mit seinen Tarifen ohnehin noch deutlich unter denen von UPS und Fedex. JP Morgan geht daher davon aus, dass DHL versuchen wird, die Preise in den USA anzuheben, um damit den Abstand von circa 20 Prozent zu den Marktführern zu verringern. Dies könne aber nur gelingen, „wenn DHL ein besseres Image in den USA erreicht hat“.

In den USA hat DHL dann auch eine gewaltige Marketing-Kampagne gestartet. DHL gibt über 100 Mill. Dollar jährlich für Werbung aus. Spektakuläre Aufträge sorgen für Aufmerksamkeit: So fliegt DHL für die US-Olympiamannschaft ebenso wie für die US-Truppen im Irak oder in Afghanistan. Das Risiko fliegt mit. Vor einem Jahr gingen die Bilder um die Welt, als der DHL-Flieger nach feindlichem Beschuss brennend notlanden musste.

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