Deutsche Post
Gelber Riese schrammt knapp an Verlust vorbei

Die Frachtsparte macht der Deutschen Post große Sorgen. Ein neues IT-System wird nun doch nicht eingeführt, der Konzern bleibt auf Millionen-Kosten sitzen. Die Abschreibungen drücken den Gewinn in den Keller.

Bonn/BerlinEin Gewinneinbruch hat die erfolgsverwöhnte Deutsche Post im dritten Quartal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wegen eines Fehlgriffs beim neuen Computersystem in der Frachtsparte und verbuchter Einmaleffekte für Risiken in allen anderen Konzernbereichen schrumpfte das Nettoergebnis des „gelben Riesen“ um rund 90 Prozent auf 49 Millionen Euro. Die Post schrammte damit im abgelaufenen Vierteljahr nur knapp an der Verlustzone vorbei.

Es war der höchste Rückgang in einem Quartal seit sechs Jahren. Das operative Ergebnis fiel - bei einem Umsatzplus von 3 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro – um gut 70 Prozent. Vorstandschef Frank Appel sprach von einem Jahr des Übergangs für den Konzern. Die Konsequenzen aus dem IT-Flop seien nun gezogen. Unter anderem hat der Postchef persönlich die Führung der Frachtsparte übernommen. Das Unternehmen ist aber auf der Suche nach einem neuen Manager.

Die Belastungen habe die Post schon jetzt in die Bilanz genommen, um jede Sparte zu stärken und um die langfristigen Ziele abzusichern. Bis 2020 hat sich der weltweit größte Logistik- und Postkonzern einen jährlichen Anstieg des operativen Ergebnisses um durchschnittlich 8 Prozent vorgenommen. Am Ende dieses Zeitraums soll ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von über 5 Milliarden Euro stehen. Davon ist das Unternehmen derzeit allerdings noch weit entfernt. Für das laufende Jahr hatte die Post schon Ende Oktober ihre Jahresprognose auf 2,4 Milliarden Euro nach unten korrigiert.

Appel ist zuversichtlich, dass der gelbe Logistikkonzern im kommenden Jahr wieder kräftig Geld verdienen wird. Das Betriebsergebnis (Ebit) soll auf 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro steigen und damit um mindestens eine Milliarde Euro über dem erwarteten Ergebnis für dieses Geschäftsjahr liegen. Dazu wird auch die geplante Erhöhung des Briefportos am 1. Januar von 62 Cent auf 70 Cent beitragen. Appel wollte aber bei Präsentation der Quartalszahlen keine genauen Angaben dazu machen weil solche Zahlen wettbewerbsrelevant seien.

Bei der gescheiterten Systemumstellung im DHL-Frachtgeschäft räumte Appel eine Fehleinschätzung ein. „Wir haben uns zu viel vorgenommen, in zu kurzer Zeit“, sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Jetzt habe man einen deutlich realistischeren Plan. So wolle die Post im Frachtgeschäft bestehende Teilsysteme integrieren und weitere fertige Software kaufen, statt weiter auf das Komplettsystem der beauftragten Dienstleister SAP und IBM zu setzen.

Angetrieben durch den boomenden Onlinehandel brummen in der Paketsparte nach wie vor die Geschäfte. Hier kletterten die Umsätze im dritten Quartal um 9,7 Prozent. Um die Stellung des Unternehmens in dem Bereich zu festigen, will die Post ihre nationale und internationale Paket-Infrastruktur ausbauen.

Dem Börsenkurs der Deutschen Post konnte die misslungene IT-Einführung nur kurzfristig etwas anhaben. Seit September kletterte die Notierung der Aktie von 23 Euro auf knapp 28 Euro. Der Schock Ende Oktober durch die überraschende Ankündigung der Millionen schweren Sonderabschreibung wurde durch die Ankündigung, das Briefporto kräftig erhöhen zu wollen, schnell kompensiert. Am Mittwoch allerdings knickte die Aktie wieder ein. Vielleicht hatte Finanzchef Rosen die Anleger verschreckt mit dem Hinweis, dass die Dividende möglicherweise von den Sonderlasten in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Aber noch ist nichts entschieden.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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