Deutsche Post
Klare Kampfansage

„Wenn ich zu viel Marktanteile verliere, behalte ich mir Preissenkungen vor, die die Pläne der Wettbewerber im Briefgeschäft ganz schön durcheinander bringen werden,“ sagte Klaus Zumwinkel in New York. Längst hat der Deutsche-Post-Chef den Startschuss für die Konsolidierung gegeben.

DÜSSELDORF. Normalerweise ist Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel ein Mann der leisen Töne. Um so mehr fällt es auf, wenn er doch einmal starke Worte benutzt. „Wenn ich zu viel Marktanteile verliere, behalte ich mir Preissenkungen vor, die die Pläne der Wettbewerber im Briefgeschäft ganz schön durcheinander bringen werden,“ sagte Zumwinkel in New York. Zwar wollte er mit diesem (bekannten) Spruch nur wieder einmal die Wettbewerber erschrecken, seien es TNT Post oder Pin Group. Doch auch seine Pressesprecher im heimischen Bonn waren diesmal irritiert und übten Schadensbegrenzung: Die Post wolle und könne keinen Preiskrieg anzetteln.

Denn der Schuss war nach hinten losgegangen: Die Börse reaguerte sauer. Die Post-Aktie war am Tag nach der Ankündigung größter Verlierer im Dax. Preiskampf bedeute letzten Endes, dass man sich tendenziell auf sinkende Margen einstellen müsse, konstatierten Händler ganz nüchtern. Tatsache ist aber auch: Der Briefmarkt ist mangels funktionierendem Wettbewerb reguliert. Die Post kann also nicht einfach nach Lust und Laune die Preise senken. Darüber wacht die Bundesnetzagentur.

Nach Wegfall des Monopols für Briefe bis 50 Gramm (geplant ab 2008) seien Preissenkungen in begrenztem Ausmaß möglich, glaubt die Post. Sie schielt aber nur auf die lukrative Geschäfts-Post, die 85 Prozent des Aufkommens ausmacht. Starke Preissenkungen wie im technikgetriebenen Telekommunikationsmarkt sind im personalintensiven Briefgeschäft indes nicht zu erwarten. Dazu sind die Personalkosten der Post zu hoch, und Zumwinkel sieht sich im Wettbewerb mit „Turnschuhbrigaden“. Außerdem bleiben die Preise reguliert – auch nach dem Wegfall des Monopols.

Allerdings gibt es Lücken im Postgesetz. Preise für Großkunden, die mehr als 50 Briefsendungen selbst beim Postamt einliefern, dürfen laut Postgesetz bereits heute frei ausgehandelt werden und müssen nicht genehmigt werden. Daher tobt hier eine Rabattschlacht. Fällt das Monopol, wird die Regelung automatisch auch für Briefe gelten, die weniger als 50 Gramm wiegen. Sie machen den Löwenanteil des Briefaufkommens aus.

Dies könnte die Wettbewerber beunruhigen. Zwar will die Bundesnetzagentur hier ebenfalls auf Dumping achten. Doch das kann sie erst im Nachhinein. Die Post könnte also zunächst den Wettbewerb ausschalten und würde erst hinterher dafür bestraft – perfide. Eventuell wird die Lücke im Zuge der anstehenden Gesetzes-Novellierung noch geschlossen.

Beruhigend für den Wettbewerb aber ist: Der gelbe Riese hat genug mit sich selbst zu tun. Er muss effizienter werden: Brief- und Paketzustellung werden organisatorisch zusammengefasst, Beamte in den Vorruhestand geschickt, Vollzeit- in Teilzeitjobs umgewandelt. Großen Spielraum für einen Preiskampf gibt es nicht, wenn das Ergebnis nicht abstürzen soll. Und nicht nur die Bundesnetzagentur prüft, ob die Preise die Kosten decken. Auch die Kontrolle durch die Börse funktioniert offenbar.

Also alles nur Drohgebärden? Nein, denn eins ist ebenfalls klar: Die Post-Wettbewerber sind insbesondere deshalb erfolgreich, weil sie die relativ hohen Preise der Post unterbieten. Mit sinkenden Preisen bekommen sie dicke Probleme. Zumwinkel hat den Startschuss für die Konsolidierung gegeben.

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