Deutsche Post
Soziales Briefnetz erwünscht

In Belin demonstrieren Beschäftigte der Deutschen Post gegen Liberalisierung und neue Billiglohn-Konkurrenz – mit Zustimmung ihres obersten Chefs. Denn die neuen Wettbewerber setzen die Post unter Druck. 2008 öffnet Deutschland zudem den Briefmarkt, während die ausländischen Märkte erstmal versperrt bleiben. Dort aber müsste die Post Umsatz holen.

DÜSSELDORF. Letzte Woche in Berlin: Lautstark demonstrieren Beschäftigte der Deutschen Post gegen Liberalisierung und neue Billiglohn-Konkurrenz. Sie tun dies mit ausdrücklicher Zustimmung ihres obersten Chefs. Denn auch Klaus Zumwinkel ist gegen „ein einseitige Liberalisierung zulasten der Post“ und fordert eine Regulierungspolitik im europäischen Gleichklang. Während die Demonstranten um ihre Jobs fürchten, dürfte Zumwinkel das Konzernergebnis im Auge haben. Durch die stark zunehmende Konkurrenz kommt der Gewinn der Post unter Druck. Zumal Deutschland den Briefmarkt vor vielen anderen Staaten bereits 2008 öffnet, der Post jedoch der Zugang auf ausländische Märkte versperrt bleibt. Dort müsste die Post aber den Umsatz holen, den sie daheim durch Wettbewerb verliert.

Ein Rückgang des Marktanteils um 20 Prozent sei gleichbedeutend mit dem Verlust von 32 000 Arbeitsplätzen, befürchtet Zumwinkel. Dabei schließt er neuerdings auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Bislang konnte die Post darauf verzichten, dank der Kooperation mit der Gewerkschaft Verdi.

In der Ära Zumwinkel wurden 140 000 Arbeitsplätze ohne eine einzige betriebsbedingte Kündigung bei der Post abgebaut. Die Personalkosten sanken deutlich, etwa durch eine Absenkung der Tarife bei Neueinstellungen oder die Ausweitung der Teilzeitarbeit. Gleichzeitig wurden Leistungen an billigere Subunternehmer ausgelagert, unter anderem im Transportbereich. Der Monopolist konnte sich in Ruhe auf den Wettbewerb vorbereiten.

Klar ist: Wettbewerb entsteht nur, wenn der Monopolist Marktanteile abgibt. Das ist gewollt. Doch nun erhöht sich der Druck auf die Post durch „unfairen Wettbewerb“, wie Zumwinkel meint. Er warnt daher vor Umstrukturierungen mit möglicherweise deutlich härteren Einschnitten. Ob er dabei das Beispiel des anderen Bonner Ex-Staatsmonopolisten Telekom vor Augen hat, wo er den Aufsichtsrat leitet?

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