Deutsche Post
Wenn der Postmann zum Ablesen klingelt

Die Deutsche Post baut neue Geschäftsfelder auf. Wenn der Postbote klingelt, kommt er demnächst nicht mit einem Einschreiben, sondern zum Strom- oder Gasablesen. Keine Zukunftsmusik, sondern hier und da bereits Realität.

BONN. Auch wenn die Kunden den Stand des Strom-, Gas-, Wasser- oder Fernwärmezählers selbst ablesen und dem Energieversorger per Postkarte mitteilen, ist die Deutsche Post im Geschäft - und zwar nicht nur als Briefträger. Sie erledigt als größter deutscher Anbieter das Zählerdatenmanagement, so der Fachjargon, im Auftrag von inzwischen über 70 Energieversorgungsunternehmen, wie beispielsweise für die Rhenag aus Köln, die Stadtwerke Hannover und „n-ergie“ aus Nürnberg. Die Post kümmert sich darum, dass die Ablese-Aufforderungen gedruckt werden und die Kunden pünktlich erreichen. Adressrecherche bei Retouren, Adressaufbereitung und erneuter Versand gehören ebenso dazu wie Druck, Kuvertierung und die Auslieferung der Rechnungen.

Angesichts der Liberalisierung des Briefmarktes in Deutschland – das Briefmonopol läuft Ende 2007 aus – sucht Post-Chef Klaus Zumwinkel einen Ausgleich für den durch den Wettbewerb drohenden Einbruch im nationalen Briefgeschäft. Um hier dennoch das Ergebnis, das immer noch den Löwenanteil des Konzerngewinns ausmacht, bei zwei Mrd. Euro halten, setzt er einerseits auf den Ausbau des internationalen Briefgeschäfts und andererseits auf neue Betätigungsfelder in der Nähe von Brief und Postkarte, wie das Dokumentenmanagement.

Dieser Umgang mit vertraulichen Daten bedeutet Kundenbindung. Oft sind die Kunden Großversender, wie die Energieversorger oder auch Telekom-Unternehmen und Behörden. Postexperten wie der Hamburger Unternehmensberater Horst Manner-Romberg halten den Ausbau dieser Zusatzgeschäfte daher für sinnvoll. Für die Kunden ist die Auslagerung wegen der Einsparung attraktiv, weil der externe Dienstleister ein besseres Preis-Leistungsverhältnis bietet, da er Größenvorteile nutzen kann.

Das Angebot reicht von Logistik, Druck und Digitalisierung bis hin zur Übernahme komplexer Geschäftsabläufe wie beispielsweise Supply Chain Management, Kreditorenmanagement und Antragsbearbeitung. Dabei fallen oft hohe Briefmengen an, wie Rechnungen oder Werbebriefe (Direktmarketing). Auch als Wahlhelfer ist die Post aktiv. Allein für die Bundestagswahl produzierte sie zehn Millionen Wahlbenachrichtigungskarten und 200 000 Briefwahlunterlagen.

Die Zeiten, in denen der deutsche Markt für das Auslagern von Geschäftsabläufen (Business Process Outsourcing BPO) in den Kinderschuhen steckte, sei längst vorbei, meint die Unternehmensberatung Pierre Audoin Consultants (PAC). Deutschland hole mit Riesenschritten auf. Der BPO-Markt werde sich bis 2008 auf 3,6 Mrd. Euro verdoppeln.

Klaus Schramm, Geschäftsführer des Post-Konkurrenten Pitney Bowes Management Services Deutschland, des größten Konkurrenten der Post hier zu Lande vor der Bertelsmann-Tochter Arvato, sieht noch „viel Entwicklungspotenzial“. Analysten erwarteten, dass die Marktsättigung für die Dokumentenauslagerung in den nächsten Jahren von 12 auf 40 Prozent ansteigen werde – das entspreche allein in Großbritannien einem Marktumfang von 4,3 Mrd. Euro.

Post-Brief-Vorstand Hans Dieter Petram hat dann auch bereits das internationale Geschäft im Visier. Für 360 Mill. Euro hat er kürzlich die Mehrheit an dem britischen Dienstleister Williams Lea gekauft, der hinter dem Frankiermaschinenhersteller Pitney Bowes zu den großen internationalen Anbietern von Dokumentenverwaltung zählt. Williams Lea kommt mit 6 500 Mitarbeitern auf 650 Mill. Euro Umsatz. Pitney Bowes erzielt in der Sparte mit 16 000 Mitarbeitern ein Fünftel des Konzernumsatzes von 5,5 Mrd. Dollar.

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