Deutsche Reedereien
Seefahrer sehen sich im Abwärtsstrudel

Die Stimmung unter den Reedern ist düster. Wirtschaftskrise, Überkapazitäten und Piraten belasten die Handelsfahrer. In der Branche geht die Furcht um, dass etliche deutsche Reedereien das nächste Jahr nicht überstehen.
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Düsseldorf/HamburgDie deutsche Handelsschifffahrt steckt tief in der Krise. Die Hoffnungen auf einen Aufschwung verpuffen. Die Aussichten für das kommende Jahr erschienen ebenfalls düster. Dies geht aus der jährlichen Branchenumfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor.

So bezweifelt derzeit mehr als die Hälfte der 101 befragten Reeder, dass sich die Marktbedingungen in naher Zukunft wieder verbessern. Über 80 Prozent der Befragten sind zudem der Ansicht, dass „etliche deutsche Reedereien das nächste Jahr nicht überstehen“ werden.

Die Handelsschifffahrt weltweit leidet unter einer dramatischen Schwäche. Die Reeder können für den Transport von Containern oder Schüttgut nur geringe Margen durchsetzen und fahren Verluste ein. Der hohe Preis für Schiffssprit belastet die Unternehmen zusätzlich.

Gut ein Drittel der Reedereien sah sich laut der Umfrage dazu gezwungen, einen Teil der Flotte vorübergehend außer Dienst zu stellen. Vor einem Jahr hatten gerade einmal fünf Prozent der Befragten mit der Stilllegung von Schiffen gerechnet.

Grund dafür ist die geringe Auslastung der Schiffe durch die Wirtschaftsflaute in Europa, welche die weltweite Konjunktur belastet. Berichteten vor einem Jahr noch fast 90 Prozent der Reeder über eine Vollbeschäftigung ihrer Schiffe, liegt die Quote derzeit nur noch bei 70 Prozent. Damit ist die Auslastung sogar niedriger als im Jahr 2010 mit 80 Prozent. Bereits in den vergangenen zwölf Monaten musste mehr als jeder zweite Reeder geplante Investitionen verschieben.

Auf den ersten Blick erscheint die Tatsache kurios, dass trotz der Wirtschaftskrise das weltweite Transportvolumen sogar wächst. "Jedoch ist das Angebot an Schiffsraum durch zahlreiche in den Vorjahren bestellte Schiffe deutlich stärker gewachsen", sagt Claus Brandt, Leiter des Kompetenzzentrums Maritime Wirtschaft bei PwC. Dies führe zu geringen Auslastungen und sinkenden Frachtraten. "Besonders Reeder, die ihre Schiffe an die großen Linienreedereien verchartern, kommen durch den Ratenverfall in wirtschaftliche Schwierigkeiten“, erläutert Brandt.

Die Krise trifft vor allem die kleineren Reedereien. Sie stehen im aktuellen Marktumfeld besonders unter Druck. Von den befragten Unternehmen mit weniger als 100 Millionen Euro Jahresumsatz rechnen nur 48 Prozent mit steigenden Erlösen. Fast 20 Prozent der Kleinreeder fürchten Einbußen. Demgegenüber sehen sich gut zwei von drei der großen Reedereien auf Wachstumskurs.

Ein weiteres Problem belastet die Branche: die Attacken von Piraten. Im vergangenen Jahr sind vor der Küste Somalias 49 Schiffe mit insgesamt 1000 Seeleuten entführt worden. Noch immer sind mehr als 30 Schiffe in der Hand der Seeräuber, die entweder um Lösegeld feilschen oder gekaperte Schiffe als Mutterschiff einsetzen, um auch fernab der Küste ihr Unwesen zu treiben. Deutsche Reeder betreiben die drittgrößte Handelsflotte der Welt nach Japan und Griechenland. Folglich sind deutsche Handelsfahrer besonders von den Angriffen der Piraten betroffen.

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