Deutsche Weine in Großbritannien
Gibt es wirklich ein Leben nach der Liebfrauenmilch?

Ein gut sortierter Weinladen gehört zu jeder anständigen High Street in England. Doch wer nach einem deutschen Wein fragt, erntet verwunderte Blicke. In Grossbritannien fristet deutscher Wein trotz hoher Importquoten ein Dasein als Bückware.

LONDON. Ein gut sortierter Weinladen gehört zu jeder anständigen High Street in England. Meterweise aufgereiht stehen edle Champagner, französische Rotweine und vor allem viele Flaschen aus Australien, Neuseeland und Südafrika. Doch wer nach einem deutschen Wein fragt, erntet verwunderte Blicke. Der Zeigefinger des Verkäufers weist in eine entfernte Ecke. Irgendwo unten in einem staubigen Regal werden sich ein paar Flaschen finden, dort, wo an den Regalbrettern keine Schilder mit Ländernamen und Regionen mehr kleben.

Deutlicher könnte es kaum sein: Deutscher Wein ist in England out. Sein Image ist ungefähr so gut wie das englischen Bieres in Deutschland. Die Importe billigen, süßen Massenweins à la Liebfrauenmilch in den Achtzigerjahren haben seinen Ruf nachhaltig verdorben. Nun, da Wein in Mode ist und die Ansprüche steigen, haben sich die Engländer vom rheinischen Rebensaft abgewandt. Die Marktmacht der Weinkonzerne aus Übersee tat ein Übriges und verdrängte deutsche Produkte.

Erstaunlicherweise ist das Vereinigte Königreich trotzdem noch immer mit Abstand der Exportmarkt Nummer eins für deutsche Winzer. Mit 127 Mill. Euro nimmt es mehr als ein Viertel ihrer Weinexporte ab. Eine Tradition, die bis zu Queen Victorias Zeiten zurückreicht, als Rotwein aus Bordeaux und Weißwein aus Deutschland zu kommen hatte.

Steffen Schindler hofft deshalb auch auf eine Renaissance für heimischen Wein. Der Export-Marketingdirektor des Deutschen Weininstituts registriert neues Interesse: Sommeliers und Weinkritiker hätten die neue Qualität und Vielfalt deutscher Weine schon entdeckt, nun müssten noch die Einkäufer der Supermärkte und Weinläden folgen.

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