Deutsche Wohnen schluckt LEG
Neuer deutscher Wohnungsriese will Branche aufmischen

Erst Vonovia, jetzt die Deutsche Wohnen – der deutsche Immobilienmarkt ist in Einkaufslaune. Mit der LEG holt sich der Frankfurter Immobilienkonzern ein Schwergewicht ins Haus. Das spart Geld – und bringt Dividende.

FrankfurtDas Fusionsfieber auf dem deutschen Immobilienmarkt steigt: Gerade erst hat es der größte Wohnungskonzern Vonovia nach einer rasanten Einkaufstour in die erste Börsenliga geschafft, jetzt setzen die Nummer zwei und drei der Branche – Deutsche Wohnen und LEG Immobilien – zur Aufholjagd an. Bis zum Jahresende wollen die beiden Konzerne über einen Aktientausch zusammengehen. Inklusive Schulden ist der Deal rund acht Milliarden Euro schwer. „Wir sind der Meinung, dass dieser Zusammenschluss viele Vorteile bringen wird“, erklärte Vorstandschef Michael Zahn am Montag. Beide Unternehmen hätten qualitativ hochwertige Wohnungen und eine niedrige Verschuldung. Mit gebündelten Kräften seien weitere, wenn auch eher kleinere Zukäufe möglich. Außerdem dürften mehr internationale Investoren angelockt werden. Die „neue“ Deutsche Wohnen werde so nach Börsenwert in die Top-Liga der europäischen Immobiliengesellschaften vorstoßen.

Zahn stellte die Pläne in einer gemeinsamen Telefonkonferenz mit LEG-Chef Thomas Hegel vor, der stellvertretender Vorstandschef des neuen Konzerns werden soll. Der LEG-Vorstand ist nach monatelangen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen im Boot. Die Werbetour bei den Aktionären beginnt dagegen erst in dieser Woche. Gemeinsam kämen Deutsche Wohnen und LEG auf rund 250.000 Wohnungen – noch immer ein Stück entfernt von Vonovia mit bundesweit 350.000, aber eben nicht mehr ganz so abgeschlagen. Damit gewinnt die von Experten seit Jahren geforderte Konsolidierung des zersplitterten deutschen Marktes neuen Schwung. Das Geschäft ist skalierbar: Für die Bewirtschaftung eines größeren Bestandes braucht man nicht unbedingt mehr Leute. Außerdem hoffen die Unternehmen auf eine größere Einkaufsmacht bei den Baufirmen, etwa wenn es um die Sanierung der Wohnungen geht.

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken heizte das Streben nach Größe in den vergangenen Jahren mit an, zumindest indirekt. Denn die Immobiliengesellschaften hatten keine Probleme, Deals durch immer neue Kapitalerhöhungen zu finanzieren. Die Investoren zogen mit, weil die Aktien gut liefen und mit anderen Anlagen kaum Geld zu verdienen ist. Das könnte sich aber ändern, wenn die Zinsen wieder hochgehen, warnen Branchenkenner.

Vonovia – bislang bekannt als Deutsche Annington – hatte zuletzt besonders viele Übernahmen gestemmt, inklusive der mächtigen Rivalin Gagfah. Deutsche Wohnen drohte abgehängt zu werden, erst recht, nachdem Zahn im Frühjahr mit der feindlichen Übernahme der österreichischen Conwert gescheitert war. Vonovia schaffte es nun als erster Immobilienkonzern überhaupt in den Dax, zum Debüt notierte die Aktie am Montag allerdings mit dem Markt leicht im Minus. Die Reaktion der Anleger auf die Fusionspläne von Deutsche Wohnen und LEG fiel gemischt aus: Mit einem Plus von zeitweise sechs Prozent war die LEG-Aktie größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax. Dagegen büßte die Deutsche-Wohnen-Aktie fast ebenso viel ein – hier werden die Anleger abermals über eine Kapitalerhöhung zur Kasse gebeten.

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„Die Zeit des Einkaufens ist vorbei“

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