Deutscher Alpenverein
Der ADAC der Berge

Nicht nur in den Bergen ist der Deutsche Alpenverein eine Macht. Auch wirtschaftlich läuft es dank steigender Mitgliedszahlen und Einnahmen rund für den Verein. Doch für viele Mitglieder zählt nicht nur das Geld.
  • 0

MünchenVon solchen Wachstumsraten können viele Unternehmen nur träumen: Die Zahl der Mitglieder steigt Jahr für Jahr um etwa fünf Prozent und liegt inzwischen bei fast einer Million. Die Geschäfte in den Shops laufen rund, die Mitgliederzeitschrift „Panorama“ gehört mit einer Auflage von 600 000 Exemplaren zu den wenigen Magazinen in Deutschland, die zulegen. 700 000 Gäste übernachten jedes Jahr in den Hütten, Tendenz steigend.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) ist mit Einnahmen von 26 Millionen Euro eine mittelständische Firma, eine Wirtschaftsmacht am Berg sozusagen. Doch der Klub selbst sieht die vielfältigen ökonomischen Aktivitäten bis heute nur als Mittel zum Zweck.

„Wir sind als Naturschutzverband anerkannt“, betont Vizepräsident Franz-Josef van de Loo. Und als solchen würden den DAV viele Mitglieder auch wahrnehmen.

Die Außensicht ist oft anders. Touristen halten den DAV häufig für eine Art ADAC der Berge. Beiden Vereinen ist der Versicherungsgedanke gemein – der eine hilft bei Pannen auf der Straße, der andere bei Unfällen im Gebirge. Und der ADAC ist in der Tat ein Konzern geworden. Die „Motorwelt“ ist mit rund 14 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitschrift in Deutschland, der ADAC bietet immer mehr Reisen und Versicherungen an.

Auch der DAV expandiert, aber eher notgedrungen. „Outdoor boomt“, sagt van de Loo. In wirtschaftlich schlechten Zeiten treten sogar besonders viele ein – weil sie in den Ferien zu Hause bleiben und in die Natur wollen.

Das Thema Wachstum und Kommerzialisierung ist im DAV allerdings heikel. „Die wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe sind Nebenprodukte des Vereinszwecks“, betont Finanzgeschäftsführer Winfried Kießling.

Die Hütten dienen dazu, Bergsteigern den Gipfelanstieg zu ermöglichen und Fernwandertouren möglich zu machen. „Die Hütten haben in erster Linie eine alpinistische, keine touristische Funktion“, betont Vizepräsident van de Loo. Gleichwohl, in Österreich ist der DAV nach Bettenzahl der größte Beherbergungsbetrieb.

Die Satzung schreibt vor, dass sich der Verein größtenteils über die Mitgliedseinnahmen finanziert. Das setzt den Verantwortlichen enge Grenzen. Zudem hat der Verein mit den wirtschaftlichen Aktivitäten nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Der „Summit Club“, der vereinseigene Reiseveranstalter, machte eine Zeit lang Verluste. Inzwischen schreibt die kleine Münchener Firma aber wieder positive Zahlen.

Seite 1:

Der ADAC der Berge

Seite 2:

Sensibel bei Sponsoring

Kommentare zu " Deutscher Alpenverein: Der ADAC der Berge"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%