Deutscher Marketing-Preis
Warum schreit bei Zalando keiner vor Glück?

Deutschlands größtem Online-Fashionhändler wird heute Abend der ehrwürdige Deutsche Marketingpreis verliehen. Doch die aufwändige Werbestrategie wendet sich inzwischen gegen die junge Firma – hat Zalando ein Problem?
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DüsseldorfKein Schrei vor Glück? Eigentlich sollten bei Zalando heute Abend die Sektkorken knallen, denn das Berliner Unternehmen gewinnt den Deutschen Marketing-Preis 2012. Der Deutsche Marketing-Verband ehrt den Online-Händler, der seine Kultmarke mit unkonventionellen Werbespots bekannt gemacht hat, für seine beispielhafte Marketingleistung.

Innerhalb von vier Jahren ist das Start-up vom Nobody zu einer der bekanntesten E-Commerce-Plattformen in Deutschland geworden. „Zalando zeigt eindrucksvoll, wie konsequentes Marketing den Erfolg eines jungen Unternehmens voranbringen kann“, so die Jury in ihrer Begründung.

Doch es ist gerade der erfolgreiche Marketing-Claim „Schrei vor Glück oder schick's zurück“ der dem Online-Versandhändler seit seiner Gründung 2008 nicht nur ein enormes Wachstum, sondern auch sein größtes Problem beschert: eine extrem hohe Retourenquote. Mal ganz abgesehen davon, dass das Unternehmen vermutlich noch immer keinen Euro Gewinn erwirtschaftet hat. Vermutlich, denn was Gewinne oder Verluste angeht, ist Zalando extrem zurückhaltend. Wie das Fachmagazin „Der Handel“ schreibt, hat das Start-up im im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2010 allerdings einen Jahresfehlbetrag von rund 20,4 Millionen Euro angegeben. 2009 waren es demnach knapp 1,6 Millionen Euro.

Lange Zeit wurde mit der großen Kulanz und der kostenlosen Rückgabemöglichkeit sämtlicher Bestellungen geworben. Doch inzwischen schlagen die Rücksendungen extrem auf die Marge und sind dem Unternehmen offenbar ein Dorn im Auge – auch wenn die Gründer in Interviews immer wieder darauf hinweisen, dass das ein allgemeines Problem beim E-Commerce in der Modebranche und kein spezielles bei Zalando sei.

In der Tat braucht es bei der weibliche Kernzielgruppe zwischen 22 und 45 Jahren mehrere Anläufe, bis beim Shoppen das passende Lieblingsstück gefunden ist. Eine Retourenquote jenseits der 40 Prozent ist in der Fashion-Branche keine Seltenheit.

Bei Zalando kolportieren Branchenkenner jedoch immer wieder, dass 70 Prozent aller bestellen Waren zurück ins Lager geschickt werden. Anders als bei der Konkurrenz dürfen die Kunden bei den Berlinern noch bis zu 100 Tage nach der Bestellung kostenlos und ohne Angaben von Gründen retournieren.

„Schaut man sich dazu die entstehenden Kosten und einen Wertverlust von häufig mehr als 20 Prozent für retournierte Artikel an, wird schnell klar, dass Rücksendungen zu den größten Renditekillern im Online-Handel gehören“, fasst der E-Commerce-Experte Alexander Köhler in einer Analyse das Problem zusammen.

Kommentare zu " Deutscher Marketing-Preis: Warum schreit bei Zalando keiner vor Glück?"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Kleidungsstücke kauft man im Ladengeschäft.

    Bei den (wohl überwiegend) jungen Mädchen und Frauen, die zalando zum shoppen nutzen, scheint bei deren Konsumverhalten ohnedies keine klare Linie erkennbar zu sein - wie es bei vielen jungen Leuten ohnehin der Fall ist.

    Wenn sich Jugendliche nach Schulschluss in der Innenstadt mit dem Kauf einer einzigen Jeans über Stunden hinweg beschäftigen können, werden nach Lust und Laune mal eben 10 Jeans zur Ansicht bei zalando bestellt (vielleicht noch tagsdarauf in der Schule getragen) und dann lustlos wieder zurückgesandt.

    Warenrückgabe gibt es im Onlinehandel natürlich weitaus häufiger, als bei Ladengeschäften.

    Mit seiner Masche hat sich zalando wahrscheinlich selbst mehr zum Klamottenverleiher, als zum Klamottenverkäufer gemacht. lol

  • Ich würde mich schämen, mit einem derart gierigen, durchgeknallten Proletenvolk idendifiziert zu werden, wie es in der Werbung zu sehen ist. Deshalb bestelle ich nichts bei Zalando. (Und bei Mediamarkt kaufe ich auch nichts, seit die das Ferkel als dämlichen Käufer durchs Werbe-TV schickten.

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