Deutscher Markt: Autoabsatz bricht ein, Händlersterben bleibt aus

Deutscher Markt
Autoabsatz bricht ein, Händlersterben bleibt aus

Am heutigen Donnerstag hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Zulassungszahlen für August vorgelegt. Schon jetzt ist klar, dass der deutsche Markt in diesem Jahr einbrechen wird. Bereits zu Jahresbeginn war vom großen Händlersterben die Rede. Doch die Autohäuser schlagen sich erstaunlich wacker.
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DÜSSELDORF. Bis einschließlich August wurden in Deutschland gut 1,9 Mio. Autos neu zugelassen, fast 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bis zum Jahresende werden es 2,8 Mio. Wagen werden, prognostiziert Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg. Das wären eine Million Neuzulassungen oder über 25 Prozent weniger als 2009, einem Ausnahmejahr, das die Branche der Abwrackprämie verdankte.

Bei sechs Marken haben sich die Neuzulassungen sogar mehr als halbiert. Dazu zählen Daihatsu, Lada, Toyota (inklusive der Premiummarke Lexus) und Suzuki. Besonders heftig erwischt hat es den italienischen Fiat-Konzern: Seine Marke Lancia hat mit Einbußen von 61,3 Prozent stärker verloren als alle anderen, die Hauptmarke Fiat musste ein Minus von 55,9 Prozent verkraften und auch bei der Konzerntochter Alfa Romeo läuft es mit Einbußen von 42,4 Prozent alles andere als rund.

Doch bei Fiat gibt man sich betont gelassen: "Die Situation der Fiat-Händler ist zufrieden stellend", sagt ein Unternehmenssprecher und verweist auf eine durchschnittliche Umsatzrendite von 1,2 Prozent im ersten Halbjahr (nach 2,3 Prozent im gesamten vergangenen Jahr). Dank des guten Vorjahres sei für die Handelspartner eine solide finanzielle Grundlage für den 2010 erwarteten und faktisch stattgefundenen deutlichen Rückgang der Zulassungszahlen gegeben.

Von den Herstellern mit gößeren Marktanteilen hat es die GM-Tochter Opel mit 39,1 Prozent weniger Neuzulassungen besonders empfindlich getroffen, zumal sie bisher nur im schrumpfenden europäischen Markt aktiv ist. Dennoch sagt ein Unternehmenssprecher: "Die finanzielle Lage des Händlernetzes hat sich 2010 gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert". Als Vertrauensbeweis führt er an, beispielsweise habe ein sehr großer Opel-Händler in Wiesbaden erst kürzlich Millionen von Euro in einen neuen Showroom investiert. Engpässe bei Händlern seien dem Autobauer nicht bekannt. Und auch im weiteren Jahresverlauf rechnet der Opel-Sprecher "nicht mit einer großen Bereinigung des Händlernetzes".

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  • Abwrackprämie hin oder her. Über den Erfolg oder Unsinn dieser Prämie kann man sich endlos streiten und debattieren. Fakt ist, dass die Durststrecke für viele Händler und Autobauer noch längs nicht vorbei ist und sich noch sehr unangenehm verstärken wird. Wir erleben momentan einen Sondereffekt und ein kleines Wirtschaftswunder ausgelöst durch das mit kreditaufgeputschte China, welches in einen regelrechten Kaufrausch verfällt und weltweit auf Einkaufstour ist. Sowohl die chinesische Regierung, als auch chinesische Unternehmen und die reichen und Mittelstand Chinesen kaufen momentan bis zum Umfallen und erzeugen einen „neuen“ Aufschwung. Auf der anderen Seite des Atlantiks sehen wir da schon wieder ein ganz anderes bild. Die USA sind in einer neuen Abwärtsspirale und regelrecht in den Sog der zweiten Rezession gelangt – auch wenn es diverse „Experten“ leugnen und abstreiten möchten. Die Probleme in den USA könnten sehr bald außer Kontrolle geraten und das Fass zum explodieren kommen. Viele der bundesstaaten sind pleite und Der Aufschwung kommt nicht. Das wird für uns in Europa nicht ohne Folgen bleiben.

    Was in China momentan passiert ist eine Mischung aus Wahnsinn, Überheblichkeit, Ehrgeiz und Selbstzerstörung – oder anders ausgedrückt: eine Mischung aus Dubai, USA und Deutschland. Solange der Exportmotor brummt, läuft alles. Nur wenn der stockt, dann haben wie ein Problem. Wenn das Reich des Drachen aber nach dem Rausch des durch die Regierung auferlegten Dopings aufwacht und die Drogen nicht mehr da sind und die China-blase platzt, dann wird es erst wirklich ungemütlich.
    Aber Deutschland glaubt ja allen Ernstes an ein neues Wirtschaftswunder.
    Ja, ich glaube auch an die Waldfee und den Weihnachtsmann.

  • Die "branche" hat von der Abwrackprämie nichts profitiert. VW, Opel und Ford hatten aufgrund der Abwrackprämie eine Sonderkonjunktur unter Verlust von Markanteilen, was m. E. die genannten Firmen noch bedauern werden. Denn kaum etwas ist schwieriger, als einen verlorenen Kunden zurückzugewinnen.

    Die Premiumhersteller (Mercedes, bMW und Audi) haben bei der A-Prämie in die Röhre geguckt, Profiteure waren Renault, Dacia, Daihatsu, Toyota und andere.

    Einige wenige haben ja erkannt, dass die Abwrackprämie eine der ganz grossen Steuerverschwendungsaktionen war.

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