Deutscher Schienencarrier TX Logistik braucht Kapital
Italiens Güterbahn stellt die Weichen nordwärts

Im europäischen Schienengüterverkehrsmarkt zeichnet sich ein verstärkter Wettbewerb der großen Staatsbahnen ab. Trenitalia Logistica, die Cargotochter des italienischen Bahnkonzerns FS, will ihre 15-Prozent-Beteiligung an der TX Logistik AG, der größten privaten Güterbahn in Deutschland, massiv aufstocken. Die Verhandlungen sollen bis Anfang August abgeschlossen werden, sagte TX-Vorstandschef Raimund Stüer.

ek DÜSSELDORF.Trenitalia strebe eine „nachhaltige Präsenz“ in Mittel- und Nordeuropa an, hatte Generaldirektor Giuseppe Smeriglio in einem Interview der Deutschen Verkehrs-Zeitung erklärt. In den vergangenen Jahren hatten die Deutsche Bahn mit ihrer Gütertochter Railion und die Schweizerischen Bundesbahnen mit SBB Cargo ihre geschäftlichen Aktivitäten im lukrativen Alpentransit bis nach Italien ausgeweitet.

Trenitalia verhandele darüber, ihren Anteil an der in Bad Honnef ansässigen TX Logistik auf 40 Prozent anzuheben, sagte Smeriglio weiter. Stüer wollte diesen Prozentsatz nicht bestätigen; die Diskussion um die Höhe der Beteiligung sei noch „völlig frei“. Denkbar sei so auch noch, dass die Italiener die Mehrheit erwerben.

Klar sei bislang nur, dass der Einstieg über eine Kapitalaufstockung vollzogen werden soll, denn der Finanzierungsbedarf des deutschen Mittelständlers wachse mit der schnellen Ausweitung des Geschäftsvolumens. Das stärkere Engagement des großen Bahnkonzerns bei dem Mittelständler sieht Stüer deshalb als „sinnvolle Verbindung der flexiblen Kleinen mit den Großen, die Eisenbahn-Know-how, Kapital und Fahrzeugkapazitäten haben.“

Die 1999 von fünf Logistik-Managern gegründete TX Logistik war im Juni 2000 als privates Eisenbahnunternehmen an den Start gegangen und hatte zunächst nur Containerzüge im deutschen Seehafen-Hinterlandverkehr gefahren. Heute rollen Züge von TX international von Schweden bis Italien, Tochtergesellschaften operieren in Österreich, der Schweiz und Schweden in verschiedenen Sparten des Güterverkehrsmarktes.

Mit einer Transportleistung von gut zwei Milliarden Tonnenkilometern und einem Umsatz von 55 Mill. Euro im vergangenen Jahr sieht sich das Unternehmen als Marktführer der privaten Bahnen. Für 2005 ist ein Wachstum um 25 Prozent angepeilt. Allerdings ist die Transportleistung des Branchengrößten Railion fast 40-mal so hoch.

Stüer betonte, dass seine Verkehre überwiegend von der Straße auf die Schiene geholt wurden. Der von den Staatsbahnen geäußerte Vorwurf der „Rosinenpickerei“ stimme nicht: „Unser Wettbewerber ist die Straße, daran müssen wir uns messen. Es geht nicht Bahn gegen Bahn“, sagte der TX-Chef. Dazu sei es aber notwendig, die Monopole der Staatsbahnen aufzubrechen, die bei der Trassenvergabe und der Energieversorgung nach wie vor die Preise diktierten.

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