Deutschland ist bei Verwertung alter Siliziummodule führend
Solarboom rückt Recycling gebrauchter Zellen ins Blickfeld

Mit 300 Megawatt neu installierter Kraftwerksleistung ist die deutsche Solarbranche im vergangenen Jahr an die Weltspitze gerückt. Der Boom sorgt dafür, dass inzwischen auch die Rücknahme und das Recycling von Solarmodulen diskutiert wird. Das Thema ist zwar jung, doch in einigen Jahren soll die Solartechnik unter die europäische Elektronikschrott-Richtlinie fallen.

HB DÜSSELDORF. Noch sind die Mengen, um die es geht, gering: Nach einer Analyse des Hamburger Instituts für Ökologie und Politik (Ökopol) sind derzeit pro Jahr rund 300 Tonnen Photovoltaikmodule zu entsorgen. 2010 werden es allerdings bereits über 1 100 Tonnen sein, und 2040 voraussichtlich 33 500 Tonnen, so das Ergebnis einer aktuellen Ökopol-Studie.

Angesichts dieser Entwicklung wird das Solarzellen-Recycling auch zum Thema für die Industrie. So betreibt im sächsischen Freiberg die Deutschen Solar AG bereits eine Pilotanlage – nach Firmenangaben die weltweit erste ihrer Art. Hier wird nicht einfach das Silizium der Zellen stofflich zurückgewonnen, sondern aus unbeschädigten Zellen werden die so genannten Wafer, die dünnen Siliziumscheiben also, extrahiert. Die Anlage, deren Jahreskapazität im Einschichtbetrieb bei einem Megawatt liegt, erhitzt die Module bis auf 600 Grad, wodurch der Kunststoffanteil verbrennt. Manuell werden dann die verbleibenden Stoffe getrennt. Glas und Metalle können eingeschmolzen werden, und die Solarzellen, die durch die Erhitzung nur oberflächlich leicht angegriffen sind, werden in mehreren Ätzschritten gereinigt. Dabei wird zugleich alles entfernt, was bei der Herstellung der Zelle auf dem Wafer aufgebracht wurde – etwa die Antireflexschicht und die Kontaktbahnen. Bruchstücke der Siliziumzellen werden eingeschmolzen.

Aus unbeschädigten Zellen werden auf diese Weise wieder Siliziumwafer gewonnen; sie sind nach Firmenangaben neuwertig. „Weder elektrisch noch optisch unterscheiden sich die zurückgewonnenen Wafer von Neuware“, sagt Karsten Wambach von der Deutschen Solar. Die daraus gefertigten Zellen würden gegenüber den ursprünglichen Zellen sogar aufgewertet, da die Solarzellentechnik sich stetig verbessere. Die recycelte Zelle sei daher „im Wirkungsgrad besser als in ihrem ersten Leben“, sagt Wambach. Da sie allerdings durch den Prozess dünner werde, könne man jede Zelle nur „etwa vier mal“ recyceln.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist das Verfahren nach Firmenangaben für alle Beteiligten attraktiv. Die Lieferanten der alten Module bezahlten bei überwiegend unbeschädigten Zellen nur 80 Euro Entsorgungsgebühr pro Tonne, weniger als die übliche Deponiegebühr. Und der Käufer der Recycling-Wafer zahle zehn Prozent weniger als für Neuware, was vor allem an dem um 80 Prozent reduzierten Energiebedarf liegt.

Unterdessen sind die Recycling-Pläne bei anderen Firmen der Branche wenig konkret. „Wir sind mit der Deutschen Solar in engem Kontakt, haben aber kein eigenes Projekt“, heißt es bei RWE Schott Solar. Auch BP Solar hält sich mit entsprechenden Investitionen noch zurück, weil es „derzeit noch nicht genug Masse“ gebe. Und ebenso hat auch Shell Solar kein eigenes Vorhaben, wenngleich man Verfahren „in der Schublade liegen“ habe, wie die Firma versichert.

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